1. Johannes 4, 7-21 Gott ist Liebe - seine Kinder sind voller Liebe

Gottesdienst der Wesertor-Ökumene in Kassel. In der Johannis Kirche Wolfsanger.
Am Reformationstag 31.10.2019
Norbert Giebel (Pastor EFG Kassel-Möncheberg)

1. Johannes 4, 7-16 Gott ist Liebe - Gottes sind voller Liebe

7 „Ihr Lieben, lasst uns einander lieb haben; denn die Liebe ist von Gott, und wer liebt, der ist von Gott geboren und kennt Gott. 8 Wer nicht liebt, der kennt Gott nicht; denn Gott ist die Liebe. 9 Darin ist erschienen die Liebe Gottes unter uns, dass Gott seinen eingeborenen Sohn gesandt hat in die Welt, damit wir durch ihn leben sollen. 10 Darin besteht die Liebe: nicht dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt hat und gesandt seinen Sohn zur Versöhnung für unsre Sünden. 11 Ihr Lieben, hat uns Gott so geliebt, so sollen wir uns auch untereinander lieben. 12 Niemand hat Gott jemals gesehen. Wenn wir uns untereinander lieben, so bleibt Gott in uns, und seine Liebe ist in uns vollkommen. 13 Daran erkennen wir, dass wir in ihm bleiben und er in uns, dass er uns von seinem Geist gegeben hat. 14 Und wir haben gesehen und bezeugen, dass der Vater den Sohn gesandt hat als Heiland der Welt. 15 Wer nun bekennt, dass Jesus Gottes Sohn ist, in dem bleibt Gott und er in Gott. 16 Und wir haben erkannt und geglaubt die Liebe, die Gott zu uns hat. Gott ist die Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.“
(1. Johannes 4,7-16)

1. Es geht’s ums Ganze

Gott ist Liebe.
Wer liebt, der ist aus Gott geboren.
Wer nicht liebt, hat Gott nicht erkannt.
Wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott.

Wenn wir als Christen von Liebe sprechen, ist das kein Nebenthema. Dann geht es ums Ganze. Es geht darum, wie Gott sich in Christus offenbart hat und woran Gottes Kinder zu erkennen sind.

Liebe ist das Markenzeichen der Christen. Als Jesus seinen Jüngern die Füße gewaschen hatte, sagte er ihnen: „Daran wird die Welt erkennen, dass ihr meine Jünger seid, dass ihr Liebe untereinander habt! (Joh 13,34)

Johannes drückt es ein Kapitel vor unserem Predigttext noch stärker aus:„Wir wissen, dass wir aus dem Tod (also aus der Gottesferne, aus dem ewigen Tod) ins Leben gekommen sind (also zu Gott gekommen sind), denn wir lieben die Brüder!“(1. Joh 3,14)

Als Jesus gefragt wurde, was das höchste Gebot sei, sagte er: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, mit deinem ganzen Willen und Verstand. Das ist das höchste Gebot. Und das zweite ist gleich wichtig: Du sollst deinen Mitmenschen lieben wie dich selbst. In diesen beiden Geboten ist alles zusammengefasst, was das Gesetz und die Propheten fordern.“

  1. Wenn wir von Liebe sprechen, dann geht es um Alles.
  2. Gott ist Liebe

Das ist missverständlich. Ganz schnell wird daraus „der liebe Gott“. Eine Gott, der gar nicht anders kann, als lieben. Den „lieben Gott“ aber gibt es nicht. Gott ist heilig, allmächtig, Schöpfer und Richter dieser Welt. Er ist der einzige Gott und fordert es ein, keine anderen Götter neben ihm zu haben. Er hat einen unbedingten Willen zu Gerechtigkeit und Frieden. Gott ist zornig, wo Menschen Unrecht getan wird, wo Menschen ihrer Würde beraubt werden. Gott ist auch zu fürchten, wo Menschen Unrecht tun.

Aber dieser heilige Gott liebt uns! Er muss es nicht. Er will uns lieben. Und er tut alles, um uns seine Liebe zu zeigen. Darin, dass er seinen Sohn in die Welt gesandt hat, ist seine Liebe sichtbar geworden. Gottes Liebe ist bedingungslos. Er liebt Sünder. Menschen, die ungerecht leben. Menschen, die von ihm nichts wissen wollen. Und er tut alles, damit sie seine Liebe erkennen.

  1. Es geht ums Ganze.
  2. Gott ist die Liebe.
  3. Seine Liebe will uns total verändern.

Seine Kinder sollen nicht nur reden von Jesus. Sie sollen lieben wie Jesus geliebt hat. Gottes Liebe will durch uns hindurch in diese Welt fließen. Paulus hat den Römern geschrieben: „Gottes Liebe ist ausgegossen durch den Heiligen Geist in unsere Herzen!“(Römer 5,5)

Gott hat seine bedingungslose, leidenschaftliche, absolut großherzige, unendlich geduldige, treue, gütige Liebe in unsere Herzen gegossen, damit wir uns ganz geliebt wissen und damit seine Liebe durch uns fließen kann. Gottes Liebe will nicht verdunsten in unseren Herzen. Seine Kinder haben seinen Geist empfangen. Und er ist es, der sie zur Liebe befähigt.

Viertens und letztens:
4. Wir lieben die Schwestern und Brüder.

Wer sind denn unsere Schwestern und Brüder? Ich denke, dass Johannes letzten Endes alle Menschen meint. So wie Jesus als er die Liebe zum Nächsten gefordert hat keinen Menschen davon ausgenommen hat. Die Liebe grenzt nicht aus! So wie Gott vom Himmel auf die Erde gekommen ist, so durchbricht die Liebe auch Grenzen zwischen Menschen. Christen lieben Schwarze und Weiße, Hip-Hip-Tänzer und Walzertänzer, Muslime und Hindus. Wir lieben die Menschen, weil Gott sie liebt und seine Liebe durch seinen Geist in unser Herz gegossen ist.

Aber wir haben heute einen ökumenischen Gottesdienst. Christen aus der Katholischen und Evangelischen Landeskirche, aus der Neu Apostolischen Kirche und von den Baptisten sind hier. Ich will die Worte von Johannes auch auf uns unterschiedliche Schwestern und Brüder beziehen.

Sechs Jahre bin ich jetzt in Kassel. Sechs Jahre Wesertor-Ökumene. Wir sind nicht alle gleich. Wir haben auch schon gestritten. Und ich hoffe, wir streiten weiter um der Wahrheit willen und um unserer Einheit willen. Und ich kann sagen: Ich liebe die Schwestern und Brüder.

Die Einheit des Glaubens hängt nicht daran, ob alle das gleiche denken, in allen Fragen eine Überzeugung haben. Wir denken und wir handeln auch unterschiedlich. Einheit mit anderen Christen erlebe ich, wenn ich sehe, dass alle von der gleichen Gnade leben und alle die gleiche Sehnsucht haben: Dass sein Reich komme und sein Wille geschehe.

Gott hat uns zuerst geliebt. Und wir lieben einander. Die Liebe unter Schwestern und Brüdern hat darin ihren Grund, dass wir einen Geist haben. Das ist Christus in uns und Gottes Liebe ausgegossen in unsere Herzen. Amen