Hebräer 13, 15-16 Dankt Gott mit Mund und Hand (Erntedank)

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Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde (Baptisten) Kassel-Möncheberg
Pastor Norbert Giebel, Erntedank, 6.10.2019

Hebräer 13, 15-16 Dankt Gott mit Mund und Hand

Liebe Gemeinde,

es war einmal ein Vater, der hatte zehn Kinder. Seine Kinder lebten im ganzen Land verteilt. Jedes lebte sein eigenes Leben. Jedes hatte seine eigene Biographie. Der Vater sah, wie unterschiedlich sie sich entwickelten. Einer war Arzt, eine Rechtsanwältin, einer Lehrer, eine Bäckerin, einer Schuster, eine lerne gar nichts, einer war arbeitslos, eine lebte auf der Straße, einer gewann im Lotto, eine hatte fünf Kinder, einer hatte nur ein Kind und das starb ganz früh nach einem Unfall, ganz furchtbar, einer hatte eine glückliche Ehe, eine hatte mehrere Ehen und keine war glücklich, eine spritze Insulin, einer spritze Heroin. Es war einmal ein Vater, der hatte zehn Kinder und seine Kinder deckten die ganze Bandbreite ab von reich und arm, von Glück und Unglück, Überfluss und Hunger mitten unter seinen Kindern.

Und er hatte einen Sohn, der liebte ihn, der vergaß keinen Geburtstag des Vaters, der beschenkte ihn, wo er nur konnte. Er wusste, wem er sein Leben verdankte. Er machte dem Vater große Geschenke. Nichts war ihm zu teuer. Er zahlte den neuen Fernseher, er kaufte eine neue Sitzgruppe, er fuhr seinen Vater zum Arzt, mehrmals im Jahr standen große Geschenkkörbe mit allen Köstlichkeiten vor des Vaters Wohnung. Er liebte seinen Vater. Er wusste, was er ihm schuldig war.

Es war einmal ein Vater, der hatte zehn Kinder und einen, der ihn sehr liebte. Aber kaum ein Kind machte ihn trauriger als der Sohn, der ihn liebte. Niemand brach sein Herz so wie dieser, der ihn so beschenkte. Der Vater sah und liebte alle seine Kinder. Der Vater litt mit der ohne Obdach. Er hoffte mit dem ohne Arbeit. Er weinte mit dem, der trauerte. Er seufzte mit der Einsamen. Aber der, eine, der ihn so beschenkte, er hatte seine Schwestern und Brüder vergessen. Er hatte die Liebe vergessen. Er hatte vergessen, wie sehr sein Vater alle seine Kinder liebte. Er teilte die Schmerzen seines Vaters nicht. Er sah nicht die Traurigkeit des Vaters über seine Schwestern und seine Brüder. Ausgerechnet er, der bei ihm ein und ausging. Ausgerechten er, der ihn doch liebte und ihn kannte. Ausgerechnet er sah nicht, wie sehr der Vater litt, weil als er seine Kinder leiden sah.

„Soll das ein Geschenk sein, an dem ich Gefallen habe!“ dachte der Vater, als der Sohn, der ihn liebte, ihn wieder beschenkte. „Soll das ein Opfer sein, an dem ich Gefallen habe? Wie kann er mich lieben und nicht sehen, wie ich leide. Wer seine Brüder nicht liebt, der verrät den Vater. Brich dem Hungrigen dein Brot. Die im Elend sind ohne Obdach führe in dein Haus. Wenn du einen nackt siehst, so kleide ihn! Entzieh dich nicht deinem Fleisch und Blut!
Lass den Hungrigen dein Herz finden. Dann hast du mein Herz gefunden. (vgl. Jesaja 58, 7)

Ich lese uns den Predigttext aus dem Hebräerbrief, 13, 15 + 16

15 So lasst uns nun durch ihn, Jesus, Gott allezeit das Lobopfer darbringen, das ist die Frucht der Lippen, die seinen Namen bekennen. 16 Gutes zu tun und mit andern zu teilen vergesst nicht; denn solche Opfer gefallen Gott.

Erntedank erinnert uns, dass wir unser ganzes Leben aus Gottes Hand haben. Wir wollen Gott nicht einmal im Jahr danken. Nein. Das Fest soll uns helfen zu einer dankbaren Grundhaltung insgesamt. Wir wollen erkennen, wem wir alles zu verdanken haben.

Jesus hat einmal zehn Aussätzige geheilt, zehn an Lepra Erkrankte. Das ist eine schmerzhafte Krankheit. Sozial ausgrenzend. Keiner will mit solchen Leuten Kontakt haben. Aber nur einer der Geheilten kehrte um und kam zu Jesus, um ihm zu danken. Das soll uns nicht passieren.

Wie viele sind hier, die noch nie Krebs hatten. Wie viele sind hier, die noch nie einen schweren Unfall hatten. Wie viele sind hier, die noch alle Sinne nutzen können. Und nur einer kehrt um zu Jesus und kommt um ihm zu danken? Das soll uns nie passieren.

Nirgends im Neuen Testament ist so viel von Opfern zu lesen, wie im Hebräerbrief. Die Sühneopfer im Jerusalem Tempel werden beschrieben. Aber nur um zu zeigen, wie unvollkommen sie waren. Nur der Hohepriester durfte ins Allerheiligste. Nur einmal im Jahr. Und dann vollzieht er da einer Handlung, die auch wieder nur eine begrenzte Zeit Geltung hat.

Der ganze Brief ist darauf aus, zu zeigen, dass es nur einen wahren Hohepriester gibt, den Gott dafür bestimmt hat, das ist Jesus Christus. Und dass es nur ein Opfer gibt, ein Sühneopfer, das alle Schuld für alle Zeiten sühnt, und das ist Jesus Christus. Er macht sich selbst zum Opfer. Und dieses Opfer reicht ein für alle Mal. Das kann man nicht wiederholen (auch nicht in einer katholischen Messe) und dem ist unsererseits nichts mehr hinzuzusetzen.

Darum gibt es keine Opfer und keine Priester mehr im neuen Bund Gottes mit uns! Beides hat ein Ende durch das eine Opfer Jesu. Er ist der letzte Priester und er ist das letzte Opfer. Gott selbst hat in seinem Sohn alle unsere Strafe getragen. Wir müssen nichts mehr tun, keine Opfer bringen, um Gott zu gefallen. Wir können nur noch danken. Es gibt keine Opfer mehr außer Lob- und Dankopfer. Da ist der Schreiber jetzt am Ende seines Briefes angelangt. Gott hat alles getan:

15 So lasst uns nun durch ihn, Jesus, Gott allezeit das Lobopfer darbringen, das ist die Frucht der Lippen, die seinen Namen bekennen. 16 Gutes zu tun und mit andern zu teilen vergesst nicht; denn solche Opfer gefallen Gott.

Diese Opfer wünscht Gott sich von seinen Kindern. Man kann jedem Vers ein Opfer zuordnen: Vers 15: Der Dank mit dem Mund. Die Früchte der Lippen. Seinen Namen in dieser Welt zu bekennen. Vers 16: Das Opfer der Hände. Anderen Gutes tun und teilen, und so den Vater zu bekennen.

Wenn jemand sich taufen lässt, wird ihm oder ihr noch hier im Taufwasser diese Frage gestellt: „Glaubst du, dass Jesus Christus Gottes Sohn ist, dass er auch für deine Schuld gestorben ist, dass er auferweckt wurde und der wiederkommende Herr ist, und willst du ihn mit Worten und Taten bekennen und ihm folgen? Dann antworte mit Ja!“ Man kann das Leben, den Auftrag der Christen geradezu darin zusammenfassen, dass man sagt: Gott loben mit den Lippen, ihn als den Herrn bekennen, und ihn anbeten mit den Händen: Gutes tun und teilen.

Die Opfer, die Gott sich wünscht, sind keine Pflichtopfer. Da gibt es keine Regeln. Keine Einzelvorschriften. Wir sollen ihn nicht als den Herrn bekennen, weil wir es müssen, sondern weil wir ihn lieben, weil wir alles in ihm gefunden haben, weil wir ihm alles zutrauen, weil Freude und Dank in uns überfließen. Und wir sollen nicht spenden, halbherzig unsere Güter teilen, „etwas“ abgeben weil wir es müssen. Gott wünscht sich, dass wir ihm vertrauen und so frei sind, dass wir mit einem fröhlichen Herzen teilen können.

Wir machen Gott traurig, wir verraten ihn als Vater, wenn wir ihm „ein paar Mal im Jahr Geschenkkörbe vor die Tür stellen“, uns aber von seinem Vaterherz nicht anstecken lassen für Menschen, die arm sind, hungern, nach Gerechtigkeit, die am gesellschaftlichen Leben nicht teilnehmen können.

Viele Propheten im Alten Testament kritisieren die Gottesdienste und die Frömmigkeit ihrer Zeit, weil die Menschen die Armen vergessen haben. Offensichtlich kann man immer wieder vergessen: Gott liebt alle seine Kinder und er leidet mit denen, die hungern, auf der Straße landen, in Süchte gefallen sind, im Meer ertrinken. Bei Jesaja lesen wir: „Lass den Hungrigen dein Herz finden, dann wird dein Licht in der Finsternis aufgehen.“ (vgl. Jes. 58, 7-10) Es geht nicht nur um Brot oder ein paar Euro. Das kann nur der Anfang sein. Das ist sozusagen die Erste Hilfe. Menschen in Not sollen unser Herz finden!

„Solche Opfer gefallen Gott wohl!“ Was ist denn ein Opfer? Wann ist mein Dank, mein Liebe, mein Lob Gottes ein Opfer? Ich sage mal, wenn ich auf etwas verzichte, was mir selber lieb und wertvoll ist, was ich selbst vielleicht gut brauchen könnte, um eines mir höheren Zieles willen, dann kann man es Opfer nennen. Wer etwas opfert, lässt etwas los, gibt es weg, zum Nutzen anderer, was ihm selber wichtig ist, was er liebt vielleicht. Das größte Beispiel ist Gott, der sich selbst in seinem Sohn zum Opfer gemacht hat.

Es gibt Spendenquittungen. Manche Spenden sind wirklich Opfer! Aber es gibt keine Opferquittungen. Wenn jemand sich aufopfernd um jemand anderen kümmert. Wenn jemand die Not eines anderen sich wirklich zu Herzen nimmt. Wenn jemand anderen sein Herz schenkt, dafür gibt es keine Opferbescheinigungen. Aber Gott sieht es. Solche Opfern gefallen Gott.

Nun ist hier aber nicht nur von einem Opfer des Gebens die Rede, sondern auch von einem Lobopfer des Mundes, von Früchten der Lippen, die Gott gefallen. Und was damit gemeint ist, wird auch gleich gesagt: Seinen Namen zu bekennen. Wir sollen unseren Mund aufmachen und sagen, wer Gott für uns ist, was Jesus für uns getan hat. Das sind Erntedankfrüchte, die Gott eine Freude machen. „Herr, tu meine Lippen auf, dass mein Mund deinen Ruhm verkündige!“ heißt es schon in dem Bußpsalm 51 (Vers 17).

In vielen Kirchen wird in jedem Gottesdienst ein Glaubensbekenntnis gesprochen. Das so genannte Apostolische Glaubensbekenntnis, in heutigen Form aus dem 5. Jhdt., aber es gab auch schon frühere Formen. Das ist gewachsenes Bekenntnis. Ich kann das verstehen, dass Christen, die dieses Bekenntnis regelmäßig beten, darin eintauchen können. Sie sprechen es und kommen sozusagen zuhause in ihrem Glauben an. Und sie wissen sich mit Millionen von Menschen auf der Erde damit verbunden. Ich denke, das ist eine gute Tradition.

Baptisten hatten immer ihre Probleme damit, ein auswendiges Bekenntnis zu sprechen und dieses Bekenntnis der Bibel gleichzusetzen. Auch das Apostolikum ist ein Versuch, ein gut gelungener Versuch aus dem 5. Jhdt., zu sagen, an wen Christen glauben. Aber es fehlt aber zum Beispiel darin, dass wir zu diesem Gott beten dürfen, dass wir seine Kinder sind und jederzeit Zugang zu ihm haben, dass er unser kleines Leben tragen will, dass wir ihm gehorchen, ihn mit unsren Lippen und unserem Leben bekennen wollen.

Man kann dieses alte Bekenntnis auch sprechen und selber außen vor bleiben. Es wird nicht gesagt, wie ich mich zu diesem Gott verhalte. Das aber ist ganz wichtig, wenn wir unseren Glauben bekennen. Nicht nur zu sagen, dass Gott die Welt geschaffen hat, dass Jesus für unsere Schuld gestorben ist, dass er uns seinen Heiligen Geist geschenkt hat, sondern, wo das in unserem Leben eine Rolle spielt; was uns das bedeutet; was das mit uns macht; wie wir diesen Gott erleben.

Jesus hat seine Jünger einmal gefragt: „Für wen halten mich die Leute?“ „Einige denken, du bist Johannes der Täufer. Andere halten dich für einen anderen Propheten aus den Heiligen Schriften.“ Und dann kommt die entscheidende Frage: „Für wen haltet ihr mich?“ Da geht es nicht mehr darum, was andere sagen. Jetzt bist du gefragt. Da kann man nicht mehr antworten: „Meine Mama sagt, du bist der Erlöser“, „Mein Opa sagt, du bist der Heiland!“, „Meine Oma sagt, du gibst ewiges Leben!“

Nicht, was andere sagen und wie sie es ausdrücken. „Was sagst du, wer ich bin? Wer bin ich für dich?“ fragt Jesus zuerst einmal uns, damit wir unsere eigene Antwort finden. Was glaubst du, wer Jesus Christus ist? Wo brauchst du Jesus? Wo macht er dich froh? Ich glaube, wenn wir das selber wissen und unsere Worte finden und das anderen sagen, dann geben wir ein Dankopfer, das Gott gefällt. Es geht nicht darum, die richtigen Worte zu sagen, sondern unser Herz zu zeigen. Unser Herz kann ein Zeugnis sein, ein Bekenntnis geben, das andere ansteckt! Worte allein reichen da nicht.

In der alten Kirche, im 3. oder 4. Jhdt, ist ein Papagei berühmt geworden. Dieser Vogel konnte ein Dreifaches Heilig aufsagen, in dem Gott Vater, Sohn und Heil Geist bekannt wurde. Zum Glauben kam dadurch wohl niemand. Es waren nur die richtigen Worte. Der Vogel verstand ja gar nicht, was er da nachgeplappert hatte. Es fehlte ein Leben dahinter, ein Mensch, der sich an dieses Bekenntnis bindet.

Dass Bekenntnis des Papageis war wie das Etikett auf einer Flasche. Der Wortlaut stimmte, aber die Flasche war leer. Das Bekenntnis war durch nichts abgedeckt. Dann ist es ein leeres Lippenbekenntnis (oder in diesem Fall ein leeres Schnabelbekenntnis.)

Den Römern hat Paulus geschrieben:

9 Wenn du mit deinem Munde bekennst, dass Jesus der Herr ist, und glaubst in deinem Herzen, dass ihn Gott von den Toten auferweckt hat, so wirst du gerettet. 10 Denn wer mit dem Herzen glaubt, wird gerecht; und wer mit dem Munde bekennt, wird selig.

Papageien kommen dann wohl nicht in den Himmel. Sie plappern nur nach, was sie gehört haben. Und sie verstehen selbst nicht, was sie da sagen.

Das gehört unbedingt zu Erntedank: Freude und Dankbarkeit. Zu sehen, was Gott alles geschenkt hat. Es bewusst anzunehmen und zu genießen. Sich daran zu freuen. Erntedank ist eine gute Gelegenheit eine gute Flasche Wein aufzumachen, Gott zu danken und ihn sozusagen mit Gott zu genießen.

Das gehört unbedingt zu Erntedank:

  1. Freude
  2. Den Namen zu bekennen, dem man alles zu verdanken hat.
  3. Gutes tun und teilen.

Amen.

Weiter mit einer kleinen Geschichte vor der Kollekte:

Wissen Sie was der Unterschied zwischen „etwas abgeben“ und „teilen“ ist? Eine kleine Geschichte illustriert das:

Ein kleiner Junge bekam von seinem Patenonkel eine Tafel Schokolade geschenkt. Seine Mutter bestand darauf, dass er sie mit seinem jüngeren Bruder teilen sollte. Schweren Herzens brach er die Schokolade in zwei Teile, verglich sie kurz miteinander - und dann gab er seinem Bruder die etwas kleinere Hälfte. Ganz behutsam erinnerte ihn die Mutter, dass man beim Teilen immer dem anderen die bessere (größere) Hälfte geben sollte. Daraufhin drückte der Junge seinem Bruder alle beide Teile in die Hand und sagte: "Dann soll er teilen!" 

Wie viel würden sie heute geben, wenn der Bruder entscheiden könnte, der auf ihre Gaben angewiesen ist und viel weniger als die Hälfte bekommen hat? „Gutes zu tun und mit andern zu teilen vergesst nicht; denn solche Opfer gefallen Gott.“