Psalm 31, 16 u.a. Meine Zeit steht in seinen Händen

mp3Predigt zum Anhören

Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde (Baptisten) Kassel-Möncheberg
Norbert Giebel, Ewigkeitssonntag 24.11.2019

Psalm 31, 10-11.15-17   
Meine Zeit steht in seinen Händen

Präsentation Bilder von Menschen
in verschiedenen Lebensphasen

„Meine Zeit steht in seinen Händen.“ Das Lied, das wir nach der Predigt singen werden, hat dieses Trostwort noch einmal mehr bekannt gemacht. In jeder Lebensphase können wir das singen. Egal, was unser Leben gerade ausmacht. Gott sieht es. Gott ist dabei. Er zählt die Tage so wie wir es tun. Er weiß um unsere Nächte. Er sieht, was wir zu tun haben und was wir nicht tun. Wo wir scheitern und wo wir siegen.

Wir sind in seinen Händen mit unseren Zeiten. Wörtlich steht da „Meine Zeiten“ stehen in Gottes Händen. Ein Plural. Es gibt keine Zeiten, wo seine Hand uns nicht hielte. Es gibt keinen Termin in meinem oder deinem Kalender bei dem er nicht dabei ist.

Was ist eigentlich Zeit? Komm sie von hinten, aus der Vergangenheit? Gab es schon Zeiten und es kommen immer neue dazu? Oder kommt sie von vorne? Liegt sie immer schon vor uns? Ist die Zeit morgen in Gottes Hand? Von unserem Psalm könnte man sagen: Die Zeit kommt von oben. Sie kommt von Gott. Jede Zeit, jeder Tag, jede Zeitspanne kommt von ihm. Sie ist ein Geschenk. Zeit ist eine sich ständig fortsetzende Schöpfung. Jeder Tag ein Zeichen seiner Güte.

Meine Zeit steht in deinen Händen. Wenn das so ist, darf ich meine Zeit aus Gottes Hand nehmen. Nicht nur die Zeit, die ich an der Uhr und am Kalender ablese, sondern die Zeit, die ich jetzt gerade erlebe. Heute und morgen. Wenn das so ist, dann kann ich durchsehen durch meine Zeit in Gottes Hände. Ich bin nicht irgendeinem Schicksal ausgeliefert. Seine Hände wollen mich halten und führen in dieser meiner Zeit. Wenn das so ist, dann kann ich vertrauen lernen.

Sorgen gibt es wirklich genug. In jeder Lebensphase. Viele Junge Menschen haben Angst: Was wird in ihrem Leben noch auf sie zukommen? Später sind es vielleicht der Beruf, die Kinder, die Ehe, die alt gewordenen Eltern, das eigene Altwerden, Einsamkeit. Sorgen gibt es wirklich genug. Und das sind kleinen Sorgen. Es gibt Widerfahrnisse, die das Leben erschüttern können. Das weiß auch der Psalmbeter.

Vielleicht hat David ihn geschrieben. Er hatte wirklich ein sorgenvolles wechselhaftes Leben. „Von David“ steht in den meisten Übersetzungen. Man kann auch „dem David“ übersetzen. „Für David“, für die Sammlung der Psalmen geschrieben. Viele Ausleger nehmen an, dass dieser Psalm in der Zeit geschrieben wurde, als Jerusalem gefallen war, gesungen vor den Trümmern der heiligen Stadt, vielleicht geschrieben von einem der Tausenden, die von den Babyloniern ins heutige Bagdad deportiert wurden.

„Meine Zeit steht in seinen Händen!“ Das singt niemand, dem alles gelingt, der fröhlich durch das Leben hüpft. „Meine Zeit steht in seinen Händen!“ Das bekennt jemand, dessen Leben erschüttert ist. Ich lesen ein paar mehr Verse als auf dem Sonntagsbrief abgedruckt sind:

1 Ein Psalm Davids, vorzusingen.
2 HERR, auf dich traue ich, / lass mich nicht zuschanden werden, errette mich durch deine Gerechtigkeit! 3 Neige deine Ohren zu mir, hilf mir schnell! Sei mir ein starker Fels und eine Burg, dass du mir helfest! 4 Denn du bist mein Fels und meine Burg, und um deines Namens willen wollest du mich leiten und führen. 5 (...) Du bist meine Stärke. 6 In deine Hände befehle ich meinen Geist; du hast mich erlöst, HERR, du treuer Gott. (...)

Das hat Jesus am Kreuz gebetet:
„In deine Hände befehle ich meinen Geist!“

Und wir können antworten:
„Du hast mich erlöst, HERR, du treuer Gott.“

Weiter geht es:

10 HERR, sei mir gnädig, denn mir ist angst! Mein Auge ist trübe geworden vor Gram, matt meine Seele und mein Leib. 11 Denn mein Leben ist hingeschwunden in Kummer und meine Jahre in Seufzen. Meine Kraft ist verfallen durch meine Missetat, und meine Gebeine sind verschmachtet.

15 Ich aber, HERR, hoffe auf dich und spreche: Du bist mein Gott! 16 Meine Zeit steht in deinen Händen. Errette mich von der Hand meiner Feinde und von denen, die mich verfolgen. 17 Lass leuchten dein Antlitz über deinem Knecht; hilf mir durch deine Güte!

(...) 20 Wie groß ist deine Güte, HERR, die du denen bewahrt hast, die dich fürchten, und die du den Menschen zeigst, die auf dich vertrauen!

Der Beter, war es David selbst oder ein späterer Schreiber, der Beter steht unter Druck. Er weiß nicht, was die Zukunft bringt. Grund zum Sorgen hat er allemal. Er wird angegriffen, verfolgt, Menschen klagen ihn an oder weichen ihm aus. Und in dieser Zeit sieht er auf Gott. „Meine Zeit steht in deinen Händen!“

Das Schwere dieser Zeit ist schwer, aber es ist nicht entscheidend. Gott ist da. Gott ist gnädig. Gott ist treu. Meine Zeit steht in seinen Händen! Nicht Angst und Klage sondern Vertrauen soll ihn bestimmen. Nicht jammern, sondern hoffen. Es ist das gleiche Vertrauen, das Paulus in seinem Brief an die Römer ausdrückt:

34 Wer will verdammen? Christus Jesus ist hier, der gestorben ist, ja mehr noch, der auch auferweckt ist, der zur Rechten Gottes ist und für uns eintritt. 35 Wer will uns scheiden von der Liebe Christi? Trübsal oder Angst oder Verfolgung oder Hunger oder Blöße oder Gefahr oder Schwert? 36 Wie geschrieben steht (Psalm 44,23): »Um deinetwillen werden wir getötet den ganzen Tag; wir sind geachtet wie Schlachtschafe.«
37 Aber in dem allen überwinden wir weit durch den, der uns geliebt hat. 38 Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, 39 weder Hohes noch Tiefes noch irgendeine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn.

„Der Wolken, Luft und Winden gibt Wege, lauf und Bahn, der wird auch Wege finden, da dein Fuß gehen kann!“ hat Paul Gerhard gedichtet.

Heute ist Ewigkeitssonntag. Was ist das, Ewigkeit? Ewigkeit ist der Raum, in dem Gott lebt. „Raum“ ist schon nicht das richtige Wort. Ewigkeit ist etwas außerhalb von Raum und Zeit, wie wir es kennen. Alles, was Raum und Zeit ist, hört da auf. Aber auch alles, was Raum und Zeit ist kommt von dort. Sie sind von Gott geschaffen. Schon Augustinus, ein berühmter Theologe des 4. Jahrhunderts hat es festgehalten: Gott kann nur außerhalb von Raum und Zeit sein. Er ist der Herr über alle Zeiten.

Auf einer Trauerfeier in der vergangenen Woche habe ich gefragt: Was ist ein Mensch, dass Gott an ihn denkt? Wir sind winzig klein im Universum. Milliarden von Menschen leben auf der Erde. Und auch unser Planet ist winzig in der Weite des Alls. Die Sterne, die wir sehen sind ein Bruchteil der Sterne, die es gibt. Und viele sind größer als unsere Erde. Und da lebt ein Mensch in Kassel oder Vellmar oder Niestetal, er steht auf, er liegt, er schweigt oder redet, er lacht oder trauert ... und Gott sieht ihn. Gott ist bei ihm.

Was ist ein Mensch wert? Wie wertvoll sind wir? Wem sind wir wertvoll? Was sind 50 oder 70 oder 90 Lebensjahre angesichts von Milliarden von Weltjahren? Für uns sind sie alles! Alles, was wir hier leben in Raum und Zeit. Und diese Zeit steht in Gottes Händen.

„Was ist der Mensch, dass du an ihn denkst?“ heißt es in Psalm 8. „Du hast ihn wenig geringer gemacht als Gott!“ geht es weiter. (vgl. Psalm 8, 5+6) Wenn wir uns bewusst machen, wie winzig wir sind und wie vergänglich unser Leben, da wird man demütig. Da kann man sich sehr verloren vorkommen. Aber wir sind nicht verloren!

Wir sind winzig klein, aber Gott absolut wichtig. Er ist Mensch geworden, wie wir, in Raum und Zeit gekommen. Er wirbt um uns, um jede und jeden von uns, weil wir ihm so wertvoll sind. Wir sollen sozusagen einer wie er werden: Ewig. Herrlich. Frei.

Du stellst meine Füße auf weiten Raum!“ noch so ein wunderbarer Satz aus Psalm 31. Gott schafft Weite, wo wir nur noch Enge sehen. Er öffnet Türen und Fenster, wo wir uns eingeschlossen vorkommen. Er lässt neue Luft in unser Leben. Das tut er solange wir leben und ihm vertrauen. Und das tut er, wenn wir sterben. Diesen Raum verlassen wir und er setzt unsere Füße auf weiten Raum.

Die Bibel redet in Bildern von der Ewigkeit. Aber was die Bilder ausdrücken, das wird auch geschehen, da werden wir erleben, so wird es sein.

Jesus sagt:
„Euer Herz erschrecke nicht! Glaubt an Gott und glaubt an mich! In meines Vaters Hause sind viele Wohnungen. Wenn's nicht so wäre, hätte ich dann zu euch gesagt: Ich gehe hin, euch die Stätte zu bereiten? 3 Und wenn ich hingehe, euch die Stätte zu bereiten, will ich wiederkommen und euch zu mir nehmen, auf dass auch ihr seid, wo ich bin.“ (Johannes 14) Jesus hat neue Räume für uns vorbereitet. Neue Wohnungen im Haus Gottes.

Paulus schreibt:

„Denn wir wissen: Wenn unser irdisches Haus, diese Hütte, abgebrochen wird, so haben wir einen Bau, von Gott erbaut, ein Haus, nicht mit Händen gemacht, das ewig ist im Himmel.“ (2. Kor 5)

Letzte Woche erzählte mir eine ältere Person, dass sie ihr Haus verkaufen wollen. Sie wollen umziehen in eine Wohnung, die ihrem Alter und ihren Möglichkeiten angemessen ist.

Irgendwann ziehen wir alle einmal um. Später im Gottesdienst werden wir an einige denken, di im vergangenen Jahr verstorben sind. Sie sind schon umgezogen. Sie leben schon im Frieden und in der Freiheit, in der Ewigkeit bei Gott ihrem Vater.

Ich liebe die Psalmen. Viele berühren mich sehr. Es sind Gebete von Menschen in den verschiedensten Lebensphasen. Sehr ehrlich. Stark und tröstlich, weil sie nicht verschweigen, wie ernst das Leben sein kann. Und weil sie den Himmel öffnen, das Herz zu Gott erheben.

Wenn meine und deine Zeit in Gottes Händen ist, dann können wir vertrauen. Angst passt dann nicht mehr. Angst kommt zur Ruhe.

Sorgen gibt es immer und es fällt uns leichter, wenn wir den Weg schon sehen, wenn wir wissen, wie es gut ausgeht. Wir würden gerne schon das gute Ende sehen. Mit dem Vertrauen aber ist es umgekehrt. Vertrauen, Gott zu vertrauen, das ist wie ein Auto, in das ich einsteigen soll. Man kann nicht erst losfahren und dann irgendwann einsteigen. Aber wer einsteigt und Gott vertraut, der wird sehen, wie gut er führt.

Wenn meine Zeit in seinen Händen steht, dann kann ich jeden Tag vertrauensvoll aus seinen Händen nehmen. Heute, morgen und dann auch einmal meinen letzten Tag hier, bevor ich zu meinem Vater umziehe.

Amen

Profitiert habe ich für meine Predigt von den Predigten im Internet von Stephan Zeibig (das-verkündigte-wort.de), Dr. Wolf-Rüdiger Schmidt (predigtpreis.de) und Daniel Eschbach (ERF.de).

 
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