Jesaja 9, 1-2.5-6 Ein Kind mit großen Namen

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Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde (Baptisten) Kassel-Möncheberg
Norbert Giebel, Heiligabend 24.12.2019

Jesaja 9, 1+2a. 5+6 Ein Kind mit großen Namen

Ich habe mal eine Frage an die Kinder. Die Erwachsenen wissen das. Ihr müsst mal ruhig sein jetzt. Wie lange braucht es eigentlich, bis ein Kind zur Welt kommt? Wer weiß das? Neun Monate! Das ist lange! Aber von dem Kind, das da in Bethlehem in der Krippe geboren wurde, davon wusste jemand schon über 700 Jahre früher!

Okay. Der wusste nicht, dass es in Bethlehem sein würde. Der wusste auch noch nicht, dass es in einem Stall geboren würde. Aber er wusste, dass dieses Kind von Gott kommen und die Welt verändern würde. Jesaja hieß der Mann. Ich lese uns mal vor, was er etwa 730 vor der Geburt Jesu aufgeschrieben hat. Ich lese Verse aus dem 9. Kapitel von dem Jesajabuch:

1 Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht, und über denen, die da wohnen im finstern Lande, scheint es hell. 2a Du weckst lauten Jubel, du machst groß die Freude.
5 Denn uns ist ein Kind geboren. Ein Sohn ist uns gegeben. Und die Herrschaft ist auf seiner Schulter. Und er heißt Wunder-Rat, Gott-Held, Ewig-Vater, Friede-Fürst; 6 auf dass seine Herrschaft groß werde und des Friedens kein Ende auf dem Thron Davids und in seinem Königreich, dass er's stärke und stütze durch Recht und Gerechtigkeit von nun an bis in Ewigkeit. Solches wird tun der Eifer des HERRN Zebaoth.

„Das Volk, das im Finstern lebt“, das waren z.B. die Hirten. Sie haben das Licht zuerst gesehen. Ihr Leben war schwer. Sie waren arme Menschen, zählten zum Rand der Gesellschaft. Aber sie haben zuerst gejubelt. Die Hirten freuen sich wie Leute, denen man eine große Beute austeilt. Sie haben gejubelt wie Menschen, die ein großes Erbe gemacht haben, wie Menschen, die plötzlich, total überraschend ganz groß beschenkt worden sind.

Jesaja lebte auch in dunklen Zeiten. Ein großer Krieg stand vor der Tür. Das Land, in dem er lebte, das heutige Israel, wurde von den Assyrern bedroht. Das war die große Weltmacht damals. Kein Land hatte gegen die Soldaten und gegen sie Waffen der Assyrer eine Chance. Und im Land selbst haben viele den Glauben an Gott nicht mehr ernst genommen. Die Leute hatten zurecht Angst aber sie haben sich nicht an Gott gewendet.

Und in dieser Zeit damals sagte Jesaja, dass ein neuer König kommen wird. Nicht nur ein guter neuer König, der für ein paar Jahre gut regiert. Dieser König wird von Gott kommen. Er wird der Messias sein. Ein Nachkomme von König David. Von diesem „Ururururenkel oder so“ von David, von dem hatten auch schon Propheten vor Jesaja gesprochen. (Nathan war der Erste. Er hat es David selbst gesagt. 2. Samuel 7, 11-13).

Dieses Kind, das dann geboren wird, soll für immer König sein. Es wird Frieden stiften zwischen Gott und den Menschen und zwischen den Menschen. Er wird Gerechtigkeit bringen. Für immer. Gott selbst wird das tun. Das wird allein Gottes Idee sein. Das Kind, das da kommt, das kommt von Gott.

Jesaja hatte keine Ahnung, wie lange das noch dauern wird. Jesaja wusste auch nicht, dass das Kind Gottes Sohn sein würde, Jesaja sagt nur ganz treu, was er von Gott gehört hat.

Einem anderen Propheten, Micha hieß er, dem hat Gott gesagt, dass der König, der Messias in Bethlehem geboren wird. Micha lebte auch im 8. Jahrhundert vor Jesu Geburt. (Mi 5,1) Und auch Micha wusste: Das wird ein Nachkomme von David sein.

Bei Jesaja aber fällt noch etwas anderes auf. Das war Jesaja wohl ganz wichtig: Wenn ein Kind geboren wird, dann bekommt es ja auch einen Namen. Wir alle haben unsere Namen bei oder kurz nach unserer Geburt bekommen. Manchmal wissen die Eltern schon lange vorher, wie ihr Kind heißen soll. Jesaja gibt diesem Kind auch Namen, über 700 Jahre vorher“. Das sind komische Namen: „Er heißt Wunder-Rat, Gott-Held, Ewig-Vater, Friede-Fürst.“ Das sind nicht nur einfach Namen. Die Namen sagen etwas über das Kind aus. Über sein Wesen, wie er sein wird, und was er bewirken wird.

Kennt ihr Indianernamen? Indianer haben oft solche Namen. Wenn man den Namen hört,  weiß man gleich, was das für ein Indianer ist: Zum Beispiel „Schneller Fuchs!“ das weiß man gleich, dass der ganz schnell laufen kann. Oder „Adlerauge“: Das ist bestimmt ein Indianer, der total gut sehen kann, ein super Spurenleser. Oder wenn ein Indianer „Humpelnder Hirsch“ heißt, weiß man gleich, der ist langsam, vielleicht muss der tatsächlich hinken oder humpeln.

Jesaja kannte keine Indianer. Die haben viel später gelebt. Aber ich sage mal: Jesaja gibt dem Kind, dass geboren werden soll, Indianernamen. Diese Namen sagen etwas über Jesus. Wie er ist, was er bewirken wird.

Wunder-Rat ist der erste Name. Der geboren wird, der ist klug. Der versteht etwas vom Leben. An den kann man sich mit allen Fragen wenden. Er hat den Durchblick und den Fernblick: Was er sagt, das hilft wirklich weiter! „Guter Rat ist teuer“, sagt man ja. Aber wer diesen Mann zum König hat, der hat immer einen an der Seite, der einen guten Rat geben kann. Auf den kann man sich voll verlassen.

Gott-Held ist der zweite Indianername. Das Kind, das Jesaja ankündigt, hat seine Kraft von Gott. Er handelt in Gottes Namen. Er wird Gottes Herrschaft aufrichten. Er weiß, was Gott will, er sagt es und er tut es auch. Seine Kraft geht ihm nie aus und er findet immer einen Weg. Selbst dann, wenn es für mich hoffnungslos aussieht. Wenn es dunkel ist. Er hat die Macht, Wunder zu tun. Dinge, die ich mir nicht erklären kann, die mir nie eingefallen wären.

Jesaja hatte keine Ahnung davon, dass dieser König ganz schlimm am Kreuz sterben würde. Das war Gottes Plan. Jesus hat ihn ausgeführt. Und dann sagt es: „Es ist vollbracht!“ Gott wollte, dass durch ihn alle Menschen zu Gott kommen können. Alle, die es wollen, die an ihn glauben.

Ewig-Vater ist der dritte Indianername. Das ist besonders komisch. Jesaja sieht ein Kind kommen und nennt ihn „Ewig-Vater“. Er ist nicht nur klug und gibt guten Rat. Er ist auch nicht nur stark. Er ist für uns da. „Vater“, das sagt etwas über seine Beziehung zu aus. Das beschreibt seine Liebe, seine Verbindung zu uns.

Ich habe etwas gelesen von einem Vater und seinem Sohn in Armenien. Armenien ist weit weg, hinter der Türkei, neben dem Iran. Und der Vater hat seinem Sohn gesagt „Ich bin immer für dich da!“ Und dann ist das große Haus eingestürzt, in dem sie wohnten. Und der Sohn war verschüttet. Unter ganz vielen Steinen und Balken. Und der Vater hat tagelang alles weggeräumt, Tag und Nacht gearbeitet, bis er die Stimme von seinem Sohn hörte. „Hier bin ich!“ hat er gerufen. „Hier bin ich!“ Und dann, endlich, konnte er ihn befreien und hat in die Arme genommen. Und der Sohn hat gesagt: „Ich wusste es. Du bist immer für mich da!“

So ist dieser König zu uns, den Jesaja gepredigt hat. Ein Ewig-Vater, der immer für uns da ist! Ein König, der sich sorgt um seine Kinder und alles tut, seine ganze Kraft und Weisheit für sie einsetzt. Gott holt uns aus unserem Trümmerfeld. Dafür ist dieses Kind ein Zeichen. Und wenn er sich dabei blutige Hände holt. Er ist der Ewig-Vater.

Friedefürst ist der letzte Name. Er ist es, der Frieden schafft. Frieden zwischen Gott und Menschen. Friede zwischen Menschen. Dieser König sitzt nicht auf seinem Thron und gefällt sich in seinem Glanz und putz sich seine Krone. Dieser König ist ganz anders. Der verlässt seinen Thron und kommt zu den Menschen. Das ist es, was wir Weihnachten feiern.

Er kommt auf diese Erde und tauscht seine Krone aus Gold gegen eine Krone aus Dornen. Er gibt sein Leben, damit wir Frieden haben. Und durch seine Wunden sind wir geheilt. So einen König haben wir! Den Fürst des Friedens. Wer diesen Frieden von Gott im Herzen hat, der hat es wirklich gut im Leben.

Das sind die Namen, die Jesaja dem Kind gegeben hat. Er gibt guten Rat.           Seine Kraft hört nie auf. Er schenkt uns Gott als den Vater. Und er schafft ewigen Frieden. Zwei Dinge muss ich euch aber noch sagen, die mir wichtig sind.

Das wusste Jesaja natürlich auch nicht. Das Kind, das der König Gottes sein würde, es wird sterben und auferstehen und einmal wiederkommen. Darum ist es gut Jesajas Predigt auch heute zu hören. Auch wenn es bei uns mal dunkel ist. Er wird das Licht bringen. Er wird einmal ewigen Frieden bringen. Also: 1. Es ist noch nicht alles passiert, was Jesus gesagt hat. Aber dass so viel genau so passiert ist, macht uns total Mut. Und das Letzte, was mir wichtig ist:

2. Bei jedem Geburtstag feiert man immer den Menschen, der heute lebt, der aus dem Kind geworden ist. Also wenn ich Geburtstag hätte und da kommt jemand zu mir und sagt: Ach wie niedlich. Ein Kindchen mit so schönen Locken. Ich käme mir ziemlich dumm vor. Oder wenn ich Geburtstag hätte und mir wollte jemand einen Teddy zum Spielen schenken oder einen blauen Strampelanzug, ich käme mir ziemlich dumm vor. „Hallo“, würde ich sagen. „Ich bin 59 Jahre alt. Ich spiele nicht mehr mit Teddys und ich brauche keinen Strampelanzug mehr.

Bei Jesus ist das genauso. Manche Menschen machen das so zu Weihnachten. Als wäre Jesus immer ein Baby geblieben. „Ach wie süß, das Kindchen“, sagen sie dann. „Ein Kindelein im Krippelein“. Es gibt sogar ein Lied, vielleicht kennt ihr das: „Alle Jahre wieder kommt das Christuskind auf die Erde nieder!“ Das ist natürlich Quatsch. Alle Kinder, alle Menschen werden nur einmal geboren.

Wir denken heute an die Geburt Jesu. Das ist auch ein Grund zu feiern! Aber das viel Größere, das viel Tollere ist das, was aus ich geworden ist und wer er heute ist. Er ist heute hier. Er hat uns eingeladen. Er will uns wieder beschenken. In unserem Leben. Wie die Hirten.

Dieser König zwingt niemanden. In seinem Reich gibt es nur Freiwillige. Jeder trifft selbst die Entscheidung, ob er diesen König haben will. Aber wer diesen König erlebt hat, der möchte nicht wieder weg.

Wie feiert man den Geburtstag von Jesus richtig?
Ich glaube, man feiert seinen Geburtstag richtig, wenn man sagt:

  • Du bist der Wunder-Rat. Deinen Rat nehme ich an.
  • Du bist der Gott-Held. Von deiner Kraft will ich leben.
  • Du bist der Ewig-Vater. Ich will als Kind Gottes leben.
  • Du bist der Friedefürst. Hilf mir, in deinem Frieden zu leben.

Amen.

Ich habe für diese Predigt sehr profitiert von der Predigt von Dr. Tim Schramm, 24.12.2014, predigtpreis.de.