Apg 9, 1-9 Bekehrung des Saulus

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Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde (Baptisten) Kassel-Möncheberg
Norbert Giebel 02.02.2020

Apostelgeschichte 9, 1-9 Bekehrung des Saulus

1 Saulus verfolgte die Jünger und Jüngerinnen des Herrn weiterhin voller Wut und mit schweren Drohungen.  Er ging zum Obersten Priester 2 und ließ sich Briefe an die jüdischen Gemeinden in Damaskus geben. Darin wurde ihm die Vollmacht erteilt, auch dort nach Anhängern der neuen Lehre zu suchen und sie gegebenenfalls – Männer wie Frauen – festzunehmen und nach Jerusalem zu schaffen. 3 Auf dem Weg nach Damaskus, kurz vor der Stadt, umstrahlte ihn plötzlich ein Licht vom Himmel. 4 Er stürzte zu Boden und hörte eine Stimme: »Saul, Saul, warum verfolgst du mich?« 5 »Wer bist du, Herr?«, fragte Saulus. Die Stimme sagte: »Ich bin Jesus, den du verfolgst! Aber steh auf und geh in die Stadt! Dort wirst du erfahren, was du tun sollst.« 7 Den Männern, die Saulus begleiteten, verschlug es die Sprache. Sie hörten zwar die Stimme, aber sie sahen niemand. 8 Saulus stand von der Erde auf und öffnete die Augen – aber er konnte nichts mehr sehen. Da nahmen sie ihn an der Hand und führten ihn nach Damaskus. 9 Drei Tage lang war er blind und aß nichts und trank nichts.

Heute geht es also um die Bekehrung von Saulus
oder wie er auf Griechisch heißt: von Paulus.

Das hier ist Paulus. Paulus ist wie dieser schöne Blumentopf. Der Topf ist Made in Germany; das spricht für Qualität. Paulus ist Made in Israel. Er hat bei Gamaliel studiert, einem der berühmtesten Lehrer des Judentums der damaligen Zeit. Paulus ist ein Karrieretyp. Er nimmt alles sehr genau. Er hält nichts von halben Sachen. Paulus ist ein Typ, der ganz genau hinsieht. Paulus ist ein Vorzeigejude, so wie dieser Topf ein Vorzeigetopf ist. Gut anzusehen, gut gearbeitet.

Das könnt ihr von hinten vielleicht so nicht sehen. Der Topf hat ein ganz gleichmäßiges Muster von außen. Wirklich schön gemacht. Ihr könnt ganz genau hinsehen. Es gibt keinen Fehler an diesem Topf. Genauso ist es bei Paulus. Da kann man auch ganz genau hinsehen. Paulus ist jemand, der es mit dem Glauben und dem Gesetz von Mose total ernst nimmt. Ein aufrechter sehr gläubiger Jude! – Möchte jemand diesen Topf nach der Predigt haben? Gefällt er jemandem? – Gott gefällt er, der Paulus. Gott will ihn haben. Darum lässt er ihn fallen.
(Topf wird auf den Boden fallen gelassen und zerbricht (hoffentlich).)

Das war Paulus Bekehrung. Gott wollte ihn haben, aber er musste etwas in seinem Leben total zerbrechen, um ihn für sich gewinnen zu können. Paulus hat total falsch gelebt und war dabei total von sich überzeugt. Keine zehn Pferde hätten ihn von seiner Überzeugung weggebracht.

Wir kennen Paulus aus seinen Briefen: Ein großer Apostel. Ein großer Denker und der große Lehrer von der Gnade Gottes. Wir wissen auch, wie die Geschichte in Damaskus weitergeht. Aber für Paulus war seine Bekehrung eine total schlimme schmerzvolle Sache. Noch waren Judentum und Christentum keine getrennten Religionen. Die Christen waren Juden. Von Paulus wurden sie als eine Strömung aber eine Irrlehre innerhalb des Judentums wahrgenommen. Sie hingen diesem Jesus von Nazareth an. Sie meinten, er sei auferstanden, er sei mitten unter ihnen, wenn sie zusammenkommen. Sie hielten ihn für den Erlöser, der von Gott gekommen war.

Alles gefährliche Irrlehren aus Sicht des Paulus. Aus voller Überzeugung und mit aller heiligen Wut verfolgte er die Christen. Schon bei der Steinigung von einem von ihnen, bei der Steinigung von Stephanus, war er dabei. Sie haben so lange Steine auf ihn geworden, bis er nicht mehr lebte. So muss man umgehen mit diesen Christen. Um Gottes willen! Um Gottes Volk zu schützen! Die Christen sind Juden, die sich nicht an das Gesetz von Mose halten. „Der neue Weg“ nannten sie sich. Das sagt doch schon alles. Dann war der alte Weg also falsch, ja?

Jetzt war Paulus auf dem Weg in den Norden, nach Damaskus. Er hatte eine Vollmacht des Hohenpriester von Jerusalem dabei, alle zu verhaften und nach Jerusalem vor Gericht zu bringen, die an diesen Jesus glaubten. Männer und Frauen, denn die Frauen spielten bei diesen Christen auch eine besondere Rolle. Sie redeten von ihrem Glauben. Sie versuchten andere zu überzeugen. Sie durften in den Versammlungen öffentlich reden und beten!

Doch auf dem Weg dahin ist Paulus alles zerbrochen, was ihm bisher so klar gewesen war, wonach er sein Leben ausgerichtet hat, seine Karriere. Er hatte Menschen dafür verhaftet, war bei Todesurteilen beteiligt. Wie ein Blitz traf Paulus das Licht vor Damaskus. Das war seine Erleuchtung. „Saul, Saul, was verfolgst du mich?“ hörte er eine Stimme. „Wer bist du? Wer spricht da zu mir?“ „Ich bin Jesus, den du verfolgst! Aber steh auf und geh in die Stadt. Da wirst du erfahren, was du tun sollst.“

Da lag er, der Paulus, zerbrochen, am Boden. Der Musterjude. Der Karriere-Paulus. Und er war blind. Wie geblendet von dem Blitz. Der Mann der Tat, der so sicher war mit seinem Urteil, muss sich aufhelfen lassen. Der feste stolze Paulus steht wackelig auf seinen Beinen. Er lässt sich in die Stadt führen, nach Damaskus hinein. Er befiehlt seinen Begleitern, ihm ein Zimmer zu suchen. Da will er bleiben. Und warten. Und beten. Worauf denn?

Seine Leute verstehen ihn nicht. Sie haben auch ein Licht gesehen, aber nichts gehört. (In einem anderen Bericht ebenfalls in der Apostelgeschichte hören sie nur etwas, sehen aber nichts. Lukas war je nicht dabei. Er hat offensichtlich verschiedene Quellen.)

Gott wollte Paulus. Aber er musste ihn dazu zerbrechen. Seine Selbstbild. Seinen frommen Stolz. Ich will nicht sagen, dass Gott das immer tut oder tun muss. Aber Paulus ist lange nicht der letzte Mensch, bei dem Gott etwas zerbrechen muss, um sie zu gewinnen, um an ihr Herz heranzukommen. Paulus musste umkehren von dem Weg, den er gegangen war. Sein Umfeld, die Menschen, die bei ihm waren, verstehen ihn nicht. Es war doch alles gut gelaufen! Es ist eine einsame Entscheidung. Er hat Jesu Stimme gehört! Das alleine zählt jetzt.

Scherben sind ein Symbol für Brüche im Leben, für schlimmen Verlust, wenn etwas Großes zerbricht im Leben. Da geht etwas in die Brüche. Das kann ein Unfall sein, Eheprobleme, eine Krankheit, Träume, die platzen.

Auch die Pubertät ist übrigens so eine Zeit, in der etwas zerbricht und neu geordnet werden muss. Anwesende Teens natürlich ausgeschlossen. Aber nicht wenige Jugendliche erleben die Pubertät als eine Zeit, in der etwas zerbricht, wo zumindest ganz viel plötzlich kompliziert wird. Bis die Kinder 8 oder 9 Jahre alt sind, glauben sie noch alles, was die Eltern sagen. Sie vertrauen ihnen. Sie haben eine Frage, Mama oder Papa gibt die Antwort, gut ist. Die Welt fühlt sich für die meisten Kinder heile an. Alle scheint in Ordnung zu sein. Für alles ist gesorgt. Die Pubertät ist für andere hier nicht anwesende Teens eine Krisenzeit. Die Kids merken, dass auch die Eltern nicht in allem okay sind. Sie wollen ihre eigene Meinung haben und ihren eigene Weg gehen. Das Leben besteht aus lauter Scherben oder Puzzleteilchen, die man zusammensetzen muss. Wer bin ich? Was will ich? Was sind echte Freunde? Wie gehe ich mitmeinen Gefühlen um? Und viele andere Fragen, jede Frage ein Teilchen um den eigenen Lebens-Blumentopf zusammenzusetzen. Auch schon für Teens können Große Dinge in ihrem Leben in die Brüche gehen.

In solchen Krisen wie Paulus sie erlebt hat, da geht nicht nur etwas kaputt. Da bekommt der Mensch selbst Brüche. – Und zunächst einmal fehlt einem jede Orientierung. Man ist wie blind. Man sieht keine Perspektive mehr. Das ist nicht lustig. Im Nachhinein kann man oft auch sehen, dass so ein schmerzhafter Umbruch auch Gutes hatte. Er hat die Chance geöffnet, neu anzufangen. Vielleicht hat man seine alten festen Sichtweisen und Haltungen hinterfragen können.

Sehr oft werden Menschen nach persönlichen Brüchen barmherziger mit anderen. Sie haben gelernt, was Scheitern ist, was Schmerzen sind, dass sie Sünder sind. Aber es braucht Zeit. Zuerst einmal müssen die Scherben zusammengekehrt werden. Paulus braucht noch viel Zeit. Erst zehn Jahre später bricht er zu seiner ersten Missionsreise auf. Aber was wir bei Paulus sehen können: Die Scherben unseres Lebens können ein neuer Anfang sein. Gott kann aus den Scherben unseres Lebens Großes machen. Wir werden nie wieder der Topf, der wir vorher waren. Aber die Brüche machen uns vielleicht sogar wertvoller.

Wie geht es weiter bei Paulus? Ich lese weiter in Apg 9:

10 In Damaskus lebte ein Jünger (Jesu) namens Hananias. Dem erschien der Herr und sagte: »Hananias!« »Ja, Herr«, antwortete er. 11 Der Herr sagte: »Steh auf, geh in die Gerade Straße in das Haus von Judas und frag nach Saulus aus Tarsus. Er ist dort und betet. 12 In einer Vision hat er gesehen, wie ein Mann namens Hananias zu ihm kommt und ihm die Hände auflegt, damit er wieder sehen kann.« 13 Hananias antwortete: »Herr, ich habe von vielen Seiten gehört, wie viel Böses dieser Mann in Jerusalem deiner Gemeinde angetan hat. 14 Und jetzt ist er hier und hat von den führenden Priestern die Vollmacht, alle zu verhaften, die sich zu deinem Namen bekennen.« 15 Aber der Herr sagte: »Geh nur hin! Gerade ihn habe ich als mein Werkzeug ausgesucht. Er wird meinen Namen den nichtjüdischen Völkern und ihren Herrschern bekannt machen und auch dem Volk Israel. 16 Und ich will ihm zeigen, wie viel nun er für das Bekenntnis zu meinem Namen leiden muss.« 17 Da ging Hananias in jenes Haus. Er legte Saulus die Hände auf und sagte: »Bruder Saul, der Herr hat mich geschickt – Jesus, der dir unterwegs erschienen ist. Du sollst wieder sehen können und mit dem Heiligen Geist erfüllt werden.« 18 Im selben Augenblick fiel es Saulus wie Schuppen von den Augen und er konnte wieder sehen. Er stand auf und ließ sich taufen.

Wichtig ist mir noch einmal: Die Initiative ging von Gott aus. Neulich hatten wir Olivia zu Gast im Gemeindeunterricht. Sie hat von ihrem Glauben erzählt. Sie hat es ähnlich gesagt. Die Initiative ging von Gott aus. Er hat sie gesucht, gefunden, angesprochen, angerührt, verändert.

Gott schickt Hananias zu Paulus. Der wollte erst nicht. Hatte Angst vor diesem Mann. Aber er geht hin. Vielleicht auch mit wackeligen Knien, aber er geht hin. Und dann finde ich es total stark, wie er Paulus begrüßt: „Bruder Saul!“ sagt er. Das ist die Kurzform von Saulus. Er nennt diesen Mann, der so viel Unrecht getan hat, der sein Feind war, seinen Bruder.

Das heißt „Gott will dir vergeben. Ich habe dir auch vergeben.“ Keine Vorwürfe!

Im September haben wir vier Tage mit Dr. Heiner Rust aus Braunschweig hier in der Gemeinde. Das wird eine Glaubenskonferenz für uns alle. Besonders geht es darum, was wir für eine Gemeinde sind. Und das Thema des zweiten Abends wird sein: Gemeinde als heilende Gemeinschaft! Gemeinde als eine Gemeinschaft, wo Menschen Schwestern und Brüder werden. Eine Gemeinschaft, in der Menschen mit Brüchen willkommen sind und diese Gemeinschaft als heilvoll für sich erleben können. Eine Gemeinde für Sünder wie Paulus oder wie mich oder wie dich. Wir sind schwach, wir können so dumm sein manchmal, in keinem von uns wohnt nur Gutes, aber wir dürfen Schwestern und Brüder zusammen sein. Gottes Familie mit lauter wundersamen Kindern.

Paulus erlebt eine heilvolle Gemeinschaft mit Hananias. Junge Christen und alte auch immer wieder mal brauchen solche Geburtshelfer, Wegbegleiter, Menschen, die uns nicht nur von Jesus erzählen, sondern die seine Liebe zu uns leben. Gemeinde, das sind ganz zuerst Menschen. Menschen, die Gott und andere Menschen brauchen, die sich zu ihnen senden lassen.

Hananias legt Paulus die Hände auf und betet und er kann wieder sehen. Und das Erste was Paulus jetzt will, zumindest das Erste, von dem dann berichtet wird, ist, dass er sich taufen lässt. Das ist mutig, denn jetzt gehört er auch zu denen, die er vorher verfolgt hat. Die Taufe ist das öffentliche Zeichen, dass man zu Jesus gehören will, dass man Gottes Gnade annimmt. Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen. Vielleicht gab es das Sprichwort ja schon in Israel. Paulus jedenfalls lässt keinen Tag vergehen. „Ich will getauft werden!“ sagt er.

Hat Gott dich angesprochen heute? Hast du auch seine Stimme gehört wie Paulus? Vermutlich ohne das Licht, das er gesehen hat. Wo hat Gott dich angesprochen? „Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen.“

  1. Bist du gefallen? Ist etwas in dir zerbrochen? Dann lass dir aufhelfen. Lass dich an einen Ort führen, wo du beten und hören kannst und wo Gott dir zeigt, wie es weitergeht.

  2. Hast du schwere Brüche erlebt und es will nicht heilen? Dann verliere die Geduld nicht. Vielleicht braucht es noch Zeit. Aber Gott hat eine Perspektive für dich!
  1. Vielleicht bist du aber auch Hananias. Gott will dich senden. Gott will dich für jemanden gebrauchen, der eine Schwester oder einen Bruder braucht. Dann lass dich senden. Verschenke dich an einen Menschen, der Brüche im Leben erfahren hat. Auch wenn du wackelige nie dabei hast. Geh hin.

  2. Oder bist du es, der eigentlich alles begriffen hat, den Gott schon lange von seinem hohen Ross hat fallen lassen. Vielleicht bist du es, um dessen Hand Jesus heute anhält, weil er mit dir einen Bund schließen will. – Dann geh zu Jesus. Kläre deine Beziehung zu ihm. Und lass dich taufen.

  3. Im Anschluss an den Gottesdienst wird Ulrike A. hier nebenan im Gebetsraum sein und mit oder für jeden beten, der es sich wünscht.

Amen.

Die Einstiegsidee mit den Scherben und anderes habe ich übernommen aus der Predigt von Stephan Goldschmidt, 14.08.2005 in der Friedenskirche Kassel; www.predihgtpreis.de