Apg 10, 21-36 Es gibt keine unreinen Menschen

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Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde Kassel-Möncheberg 08.03.2020
Norbert Giebel

Apg 10, 21-36          Es gibt keine unreinen Menschen    

Liebe Gemeinde,

ich war gerade einen Tag vorher neun Jahre alt geworden und durfte in der Nacht mit aufstehen. Und dann sahen wir es life im Fernsehen: Neil Armstrong betrat am 21. Juli 1969 als erster Mensch den Mond! Und dann sagte er diesen berühmten Satz: „Dies ist ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein riesiger Sprung für die Menschheit.“

Den gleichen Satz kann man über die Geschehen sagen, um die es heute in der Predigt geht. Da wagt einer, einen Schritt zu gehen, der bisher noch undenkbar war, den noch nie jemand gegangen ist. Und sein Schritt hat Folgen für ihn selbst und für die Menschheit nach ihm. Vielleicht berichtet Lukas diese Begebenheit darum so genau in seiner Apostelgeschichte. Keine andere Geschichte erzählt Lukas so ausführlich wie diese. Und er erzählt sie gleich mehrfach in der Apostelgeschichte. Hier wird Kirchengeschichte geschrieben!

Zwei Männer stehen im Mittelpunkt. Zwei Männer aus zwei Welten. Gott selbst führt sie zusammen. Sonst wäre wohl nie passiert, was hier passiert. Der ganze Text ist zu lang, um ihn hier zu lesen. Ich will aber erzählen, wie alles begonnen hat. Der eine ist ein römischer Soldat. Ein Zenturio. Eine Hundertschaft hat er unter sich. Hauptmann Kornelius. Er lebte in Cäsarea, einer römischen Garnisonsstadt im Norden Israels, am Mittelmeer gelegen. Ihren Namen Cäsarea (Kaiserstadt) trug die Stadt zu Ehren des römischen Kaisers Augustus. Cäsarea war eine römische Stadt. Die Juden waren eine Minderheit. Die meisten von ihnen waren arm.

Kornelius war ein Gottesfürchtiger. So nannte man Heiden, also Nichtjuden, die sich zur Synagoge hielten, weil sie an den Gott Israels glaubten! Seine ganze Familie stand den Juden nahe. Und Kornelius spendete viel für die Juden, schreibt Lukas. Wirklich Jude werden aber konnten Gottesfürchtige nur durch die Beschneidung. Aber auch als Gottesfürchtige konnten sie in der Synagoge mit beten und die Thora, also das Gesetz des Moses, studieren. Sie waren so eine Art „Freundeskreis“ der Synagoge. Sie gehörten dazu, gehörten aber nie ganz dazu. Als Gottesfürchtige brauchten sie viele Reinheitsgebote nicht befolgen. Den Männern stand auch die von den Juden geforderte Beschneidung im Weg, die sie nicht an sich vollziehen lassen wollten.

Und Kornelius war ein Beter. Lukas schreibt, dass er immer betete. Der gottesfürchtige römische Zenturio hat die im Judentum vorgeschrieben Tagesgebete treu eingehalten. Später erfahren wir indirekt, dass seine Sehnsucht, ganz zu Gott und ganz zu Gottes Volk zu gehören in seinen Gebeten eine große Rolle gespielt hat.

Eines Tages nun hatte Kornelius eine Vision. Er betete das Nachmittagsgebet um die 9. Stunde, dass ist um 15 Uhr. Da erscheint ihm eine Gestalt in weißem Gewand, ein Engel. Lukas nennt es eine Erscheinung. Der Begriff lässt offen, ob es ein inneres Gesicht war, ein Bild, das Gott ihm schenkt, oder eine reale Erscheinung, dass auch andere den Engel hätten sehen können.

„Gott hat deine Gebete erhört!“ sagt ihm der Engel. Und dann trägt er dem Römer auf, einen Mann namens Simon Petrus zu sich zu holen, der in der Stadt Joppe bei einem Gerber namens Simon wohnt, in einem Haus am Meer. Die Angaben sind ganz genau.

Der Soldat erschrickt, wundert sich sehr, staunt und er handelt sofort. Als der Engel verschwunden ist, ruft der er zwei Sklaven und einen ebenfalls gottesfürchtigen Soldaten zu sich. Er erzählt ihnen von seiner Erscheinung und schickt die drei in das 50 km entfernt liegende Joppe, um diesen Petrus zu sich zu rufen.

So weit Kornelius. Die erste Hauptperson. Am nächsten Tag, als seine Diener unterwegs sind, hatte Petrus seine Vision. Auch während einer jüdischen Gebetszeit! Petrus betet zur 6. Stunde, um 12 Uhr, auf dem flachen Dach des Hauses, in dem er zu Gast ist. Lukas schreibt, dass Petrus hungrig war. Es war Mittagszeit. Im Judentum gab es ein Halbtagsfasten, das um 12 Uhr mit einem Gebet beendet wurde. Sollte Petrus am Vormittag gefastet haben, wäre es noch verständlicher, dass er Hunger hatte.

Petrus betet also. Das Essen wird ihm schon zubereitet, schreibt Lukas. Da gerät Petrus in Verzückung, schreibt Lukas. Ekstase steht da. Menschen erleben etwas, was sie total betrifft, sie ganz mitnimmt. Vom Begriff er tritt jemand, der in Ekstase ist, aus sich selbst heraus und erlebt etwas Außergewöhnliches. Petrus wird aus dem Moment heraus vor Gott gestellt und erlebt etwas Göttliches. Das ist wie eine Mondlandung. Petrus betet nicht mehr auf dem Dach des Hauses; er steht vor Gott. Das spürt er mit allen Sinnen. Ein kleiner Schritt für ihn, ein großer Schritt für die Menschheit, wie sich zeigen wird.

Petrus sieht, wie durch eine Öffnung im Himmel ein riesiges Tuch herabgelassen wird. In dem Tuch befinden sich alle möglichen krabbelnde Tiere: Vierfüßer, Reptilien und Vögel. Lauter unreine, eklige Tiere in den Augen eines Juden. Wir können uns Kakerlaken und Spinnen oder Wachbären vorstellen. Das reinste Dschungelcamp. Und dann hört der hungrige Petrus eine Stimme vom Himmel: „Los, Petrus, schlachte und iss!“ „Auf gar keinen Fall, Herr!“ antwortete Petrus. Er spricht Gott an. Die Stimme kommt von Gott selbst. „In meinem ganzen Leben habe ich noch nie etwas Unheiliges und Unreines gegessen!“

Nach dem Gesetz durften Juden Paarhufer essen, also Rinder, Ziegen, Schafe. Von den Vögeln nur die Tauben. In diesem Tuch aber krochen die Nagetiere, Reptilien, vielleicht auch Schweine oder Hühner: Unreine eklige Tiere, die ein Jude nicht anrührte. Wie kann Gott auffordern, etwas zu tun, was gegen das Gesetz steht? Ist das eine Versuchung zum Ungehorsam? Kein Hunger würde ihn so weit bringen, gegen das Gesetz zu verstoßen.

„Niemals!“ sagt Petrus. Aber Gott wiederholt seine Aufforderung. Drei Mal weigert sich Petrus. Drei Mal fordert Gott ihn auf, diese Viecher zu essen. Drei Mal hatte Petrus Jesus verleugnet. Drei Mal sagt der Auferstandene zu ihm „Weide meine Lämmer“. Drei Mal fordert Gott ihn auf gegen das Gesetz, gegen sein jüdisches Gewissen zu handeln. „Was Gott für rein erklärt hat, das behandle du nicht, als wäre es unrein!“ sagt Gott beim dritten Mal.

Dann verschwindet das Tuch wieder. Petrus landet wieder auf dem Dach sozusagen. Der Spuck hat ein Ende. Schrecklich. Was wollte Gott ihm damit sagen? Sollte er ernsthaft solche unreinen Tiere einverleiben? Hat Gott sie jetzt als rein bezeichnet?

In dem Moment kommen die drei Boten von Kornelius an. Und der Heilige Geist gibt Petrus schon einmal eine Teilantwort: „Vor dem Haus sind drei Männer, die zu dir wollen. Sie werden dich bitten, mit ihnen zu kommen. Folge ihnen ohne Bedenken; ich selbst habe sie geschickt.“

Petrus hört Gottes Stimme, er ist erschrocken, er staunt und er handelt sofort. Ich lese uns vor, Apostelgeschichte 10 ab Vers 21:

21 Da stieg Petrus hinab zu den Männern und sprach: Siehe, ich bin's, den ihr sucht; aus welchem Grund seid ihr hier? 22 Sie aber sprachen: Der Hauptmann Kornelius, ein frommer und gottesfürchtiger Mann mit gutem Ruf bei dem ganzen Volk der Juden, hat einen Befehl empfangen von einem heiligen Engel, dass er dich sollte holen lassen in sein Haus und hören, was du zu sagen hast. 23 Da rief er sie herein und beherbergte sie.
Am nächsten Tag machte er sich auf und zog mit ihnen, und einige Brüder aus Joppe gingen mit ihm. 24 Und am folgenden Tag kam er nach Cäsarea. Kornelius aber wartete auf sie und hatte seine Verwandten und nächsten Freunde zusammengerufen.
25 Und als Petrus hereinkam, ging ihm Kornelius entgegen und fiel ihm zu Füßen und betete ihn an. 26 Petrus aber richtete ihn auf und sprach: Steh auf, auch ich bin ein Mensch. 27 Und während er mit ihm redete, ging er hinein und fand viele, die zusammengekommen waren.
28 Und er sprach zu ihnen: Ihr wisst, dass es einem jüdischen Mann nicht erlaubt ist, mit einem Fremden umzugehen oder zu ihm zu kommen; aber Gott hat mir gezeigt, dass ich keinen Menschen gemein oder unrein nennen soll. 29 Darum habe ich mich nicht geweigert zu kommen, als ich geholt wurde. So frage ich euch nun, warum ihr mich habt holen lassen.
30 Kornelius sprach: Vor vier Tagen um diese Zeit betete ich um die neunte Stunde in meinem Hause. Und siehe, da stand ein Mann vor mir in einem leuchtenden Gewand 31 und sprach: Kornelius, dein Gebet ist erhört und deiner Almosen ist gedacht worden vor Gott. 32 So sende nun nach Joppe und lass herrufen Simon mit dem Beinamen Petrus, der zu Gast ist im Hause des Gerbers Simon am Meer. 33 Da sandte ich sofort zu dir; und du hast recht getan, dass du gekommen bist. Nun sind wir alle hier vor Gott zugegen, um alles zu hören, was dir vom Herrn befohlen ist.
34 Petrus aber tat seinen Mund auf und sprach: Nun erfahre ich in Wahrheit, dass Gott die Person nicht ansieht; 35 sondern in jedem Volk, wer ihn fürchtet und Recht tut, der ist ihm angenehm. 36 Er hat das Wort dem Volk Israel gesandt und Frieden verkündigt durch Jesus Christus, welcher ist Herr über alles.

Ein paar kleine Schritte eines Apostels auf einen heidnischen Hauptmann zu und ein großer Schritt für die Menschheit. Wir können die Bedeutung dieser Geschichte nicht hoch genug einschätzen. Lukas erzählt sie in Kapitel 10. In Kapitel 11 kommt Petrus nach Jerusalem und erzählt sie noch einmal. In Kapitel 15 wird berichtet, wie Apostel und Gemeindeleiter in Jerusalem zusammenkommen und überlegen, was Heiden erfüllen sollen, wenn sie Christen werden und getauft werden wollen. Müssen Menschen, die an Jesus glauben, die aber keine Juden sind, müssen sie das Gesetz halten oder nicht?

Da steht Petrus auf und erzählt noch einmal, wie Gott es geführt hat, dass er zu Kornelius kam, und was Gott ihm gesagt hat. „Was Gott für rein erklärt hat, erkläre du nicht für unrein.“ Menschen, die Gott bei sich haben will, sage du nicht, dass sie zu Gott nicht passen. Jesus ist der Herr nicht nur über Juden. Er ist der Herr über alles! Der Messias Israels ist auch der Erlöser der Heiden, also der Nichtjuden.

Gott selbst steht hinter dieser Begegnung. Er hat die Gebetszeiten von Kornelius und Petrus genutzt. Er hat den tiefen Graben zwischen Juden und Heiden durch sehr besondere geistliche Erfahrungen überwunden. Er hat ihnen zwei korrespondierende Visionen geschickt. Jede Vision für sich ist unvollständig. Jede Vision braucht die andere! „Gott hat ihnen den Heiligen Geist gegeben wie auch uns!“ sagt Petrus auf dem Apostelkonzil in Jerusalem (Apg 15, 8-9). „Gott hat keinen Unterschied gemacht!“ „Wenn Gott damit zeigt, dass sie zu ihm gehören, dann können wir nicht sagen, dass sie nicht zu uns gehören!“ Gott hat aus der Begegnung zwischen Petrus und Kornelius den Start der Heidenmission gemacht. Juden, die Jesus als ihren Herrn angenommen haben, haben Nichtjuden zum Glauben und zur vollen Zugehörigkeit zum Volk Gottes eingeladen.

Petrus beherbergt die drei Boten. Am nächsten Tag gehen sie los. Einige Christen aus Joppe begleiten sie. Das ist kein Alleingang von Petrus. Petrus ist manchmal schwer zu überzeugen. Manchmal braucht Gott drei Anläufe. Aber auch das ist typisch für Petrus: Petrus war Fischer. Als er berufen wurde hat Jesus ihn nach einem total miesen Fischfang aufgefordert, noch einmal auf den See zu fahren und die Netzte noch einmal auszuwerfen. Und da schon sagt Petrus trotz vieler Bedenken: „Auf dein Wort hin will ich es tun! Weil du es gesagt hast, darum tu ich das jetzt.“ Was Jesus sagt, das zählt für Petrus. Er ist erschrocken, erstaunt, er versteht es noch nicht, aber er geht los. „Auf dein Wort hin will ich es tun!“

Bei Kornelius angekommen, fällt der Hauptmann vor dem Rabbi auf die Knie. Tiefste Anerkennung: Dieser Mann kommt von Gott. Petrus stellt ihn sofort wieder auf die Beine. „Steh auf! Ich bin auch nur ein Mensch.“ Was liegt da alles drin! Ich bin auch nur ein Mensch. Ich bin nicht besser als du, Kornelius. Ich stehe nicht über dir. Ich als Jude stehe nicht höher als du. Wir beide stehen gemeinsam vor Gott. Wir brauchen seine Gnade. Wir brauchen es, dass Gott uns führt.

Petrus geht mit Kornelius ins Haus und staunt nicht schlecht. Für Kornelius sind sein Glaube und seine Hoffnung offensichtlich keine Privatsache. Der Zenturio hat alle seine Freunde und Verwandte eingeladen. Viele sind gekommen. Dass so viele Heiden Interesse an Jesus haben hätte Petrus nicht gedacht.

„Ihr wisst sicher, dass es einem Juden nicht erlaubt ist, Kontakt mit Nichtjuden zu haben, oder sie sogar in ihrem Haus zu besuchen.“ sagt Petrus. „Aber Gott hat mir gezeigt, dass man keinen Menschen als unrein bezeichnen darf, nur weil er kein Jude ist. Deshalb bin ich hierher zu euch gekommen.“ Kornelius erzählt dann von dem Engel, der zu ihm gesprochen hat. Da gehen Petrus die Augen auf: „Jetzt begreife ich,  dass Gott die Person nicht ansieht! Sondern jeder ist in seinem Volk willkommen, der Gott fürchtet, der an ihn als seinen Herrn glaubt und seinen Willen tut!

Dann beginnt Petrus von Jesus zu erzählen. Von seinem Wirken, von seinem Tod, Petrus war dabei, von seiner Auferstehung, Petrus hat das leere Grab gesehen, der Auferstandene ist ihm und den Jüngern erschienen. Petrus erzählt von Pfingsten und von der Taufe. Einige der Anwesenden Römer beginnen plötzlich in fremden Sprachen zu beten. Wie zu Pfingsten in Jerusalem. Und dann wollen diese Römer getauft werden! Und ausgerechnet dieser konservative Petrus zögert nicht. „Kann jemand Menschen das Wasser der Taufe verwehren, denen Gott seinen Heiligen Geist schenkt!“ sagt er.

Ein kleiner Schritt für zwei Männer, die eine Vision hatten und die ihrer Vision gefolgt sind! Ein großer Schritt für die Menschheit. Eine absolut wichtige Geschichte für die Judenchristen, die messianischen Juden damals: Das Reich Gottes ist größer als wir denken. Das Reich Gottes ist größer als unsere Gebote. Wir gehören mit allen Menschen zusammen, die an Jesus glauben, denen Gott seinen Heiligen Geist gibt.

Was hat das Ganze uns HEUTE zu sagen? Das ist oft, wenn ich predige meine leitende Frage.
Heute nur einige Anregungen dazu: Einmal finde ich die Idee von Kornelius toll, Freunde und Verwandte einzuladen. Das könnten wir von ihm lernen. Glaube ist keine Privatsache. Kornelius teilt seine Hoffnung mit den Menschen, die er kennt, die mit ihm verbunden sind.

Die Kernfrage an uns heute aber ist wohl: Was für Menschen sind es, die wir heute ausgrenzen? Zu wem scheuen wir den Kontakt? Weil wir Vorurteile haben oder Angst oder sie uns zu fremd sind. Bei was für Menschen denken wir, dass sie nicht zu Gott passen. Oder dass es für sie keine Hoffnung gibt, dass sie zu weit von Gott weg sind?

Auch bei manchen Christen erlebe ich eine Scheu, Angst oder gar Ablehnung von Moslems. Oft ist es wohl einfach Unsicherheit, fehlende Erfahrungen, fehlende Kontakte. Man geht nicht die paar Schritte aufeinander zu, die eine Welt verändern könnten. In Berlin wohnten wir in einem Mietblock. In unserem Aufgang, fünf Etagen, wohnten wohl 50% türkischstämmige Nachbarn. Wir hatten sehr gute Kontakte. Absolut hilfsbereit und achtungsvoll gegenseitig. Mit einem Mann hatte ich sehr offene Glaubensgespräche. Ein anderer Türke kam einmal in unseren Gottesdienst um sich das anzusehen.

Was für Menschen grenzen wir aus und meinen vielleicht sogar das Recht dazu zu haben. Wegen ihrer sexuellen Orientierung, Prostituierte, Suchtkranke. In der vergangenen Woche sprach ich mit jemandem aus der Gemeinde, der psychisch Kranke und Suchtkranke betreut, die noch zuhause leben können Marlies B. Besonders über Alkoholiker haben wir gesprochen. „Einige werden trocken“, erzählte Marlies. „Einige machen immer wieder einen Entzug. Einige trinken weiter, schaffen es nicht. Die lassen wir auch nicht fallen und kümmern uns um sie.“ – Ist Gemeinde auch so barmherzig?

Alkoholiker sind krank. „Ihr Wille ist mit krank“ sagte Marlies. Körper und Seele kommen nicht heraus aus einer schlimmen Abhängigkeit. In der Berliner Gemeinde, in der ich 11 Jahre Pastor war, hatten wir Alkoholiker-Selbsthilfegruppen. Angefangen hat das Ganze durch Gemeindemitglieder, die Alkoholiker waren. Es kamen Menschen aus der Alkoholiker-Arbeit zum Glauben. Einige haben sich taufen lassen. Einige blieben trocken. Aber ich habe auch zwei Gemeindemitglieder beerdigt, die jeweils nach ihren letzten schweren Rückfällen gestorben sind.

Trinker sind krank. Wenn eine Frau hinkt würde niemand sagen: „Die hinkt ja, warum lässt sie das nicht?“ Wenn aber jemand trinkt und darunter leidet und nicht loskommt, dann gibt es Gesunde, in diesem Bereich Gesunde, die es demjenigen zum Vorwurf machen und sich abwenden. Von grenzen wir heute aus? Von wem nehmen wir Abstand? Vom wem glauben wir, dass der oder die nicht zu Gott passt?

Noch einen ganz anderen Aspekt möchte ich ansprechen: Damals mussten die Juden, die an Jesus glaubten, erkennen, dass auch Heiden, die an Jesus glauben zu ihnen gehören. Heute werden die messianischen Juden oft ausgegrenzt. Heute müssten die Christen eher daran erinnert werden, wo sie herkommen. In vielen Städten in Deutschland gibt es Gemeinden von messianischen Juden. In den Synagogen sind sie nicht mehr willkommen. Sie sind abgefallene Juden. In der Ökumene, in der ACK, sind sie in aller Regel auch nicht willkommen. Man möchte seine Beziehungen zur Synagoge nicht belasten.

In Berlin gibt es einen Verein messianischer Juden, mit Gemeinde, Missionswerk, zwei studierten Rabbis. Beit Sar Shalom heißt der Missionsverein, der unter Juden den Glauben an Jesus bekennen will. Der Vorsitzende dieses Vereins ist der Baptistenpastor Uwe D. Schon als ich noch in Berlin war, hat Uwe sich für die Beziehungen zu messianischen Juden eingesetzt. Der Rabbi kam dann zu unseren baptistischen Pastorensitzungen dazu. Uwe D. ist auch jemand, der eine Vision von Gott bekommen hat, dem Gott etwas aufs Herz legen konnte. Diese Juden, die an Jesus glauben, sie sind unsere Schwestern und Brüder! Wir gehören zusammen! Sie brauchen uns und wir brauchen sie.

Wen würdest du in unserer Gemeinde nicht haben wollen? Was für Menschen würden dich stören? Gibt es da welche, von denen wir lieber Abstand halten? Die Kernsätze damals in Cäsarea waren: „Was Gott für rein erklärt hat, das behandle du nicht, als wäre es unrein!“ „Steh auf, Kornelius. Ich bin auch nur ein Mensch. Ich bin nichts besser. Wir beide, wir alle brauchen Gottes Gnade und seine Hilfe für unser Leben.“

Amen

Aus einer Predigt von Uwe Seibert:
(Aus dem Internet. Ich habe die Quelle leider nicht wieder gefunden.)

Die Missionsgeschichte zeigt: Wenn das Evangelium in andere Kulturbereiche vordringt, hat Gott oft vorbereitend gewirkt. So war es auch, als die Missionare nach Afrika kamen. Ein Pastor aus Tansania erzählt: „In den Usambarabergen gab es einen Mann, der sich 'Kibogo cha Mulungu' nannte, 'die Schelle Gottes'. Die Leute haben oft über ihn gelacht und ihn nicht für voll genommen. Aber er hatte ihnen gesagt, dass Menschen mit einem weißen Körper kommen würden. Sie würden bei dem Wasserfall des Umba die Berge ersteigen und in ihren Lasten auch 'einen großen Schmetterling' haben. Wenn diese Fremden den Schmetterling öffnen würden (gemeint war damit die Bibel), dann sollten die Menschen genau zuhören, was ihnen gesagt würde. Denn das seien Worte, die von Gott, dem Allerhöchsten, kämen. Kibogo sagte, er habe dieses im Traum gesehen, und er war sich ganz sicher, dass Gott ihn gesandt hatte.“