Apostelgeschichte 12, 1-11 Beten öffnet Türen

8.5.2022

Heute geht es um Gefangensein, um Befreiung und ums Beten.

Warst du, waren sie schon einmal in einer Situation, in der sie keine Hoffnung mehr hatten? In einer Lage, aus der es kein Entkommen mehr gab? Hast du schon einmal eine Sorge erlebt, etwas Schlimmes in deinem Leben, das alles auf den Kopf stellen würde, wo du alles verlieren könntest, was dir wertvoll ist? Und bist dann doch wieder befreit worden? Es ging alles noch gut aus? Petrus hat das erlebt. Ich lese uns den Predigttext Apg 12, 1-11:

„Um diese Zeit legte der König Herodes Hand an einige von der Gemeinde, sie zu misshandeln. Er tötete Jakobus, den Bruder des Johannes, mit dem Schwert. Und als er sah, dass es den Juden gefiel, fuhr er fort und nahm auch Petrus gefangen. Es waren aber eben die Tage der Ungesäuerten Brote (also des Passahfestes). Als er ihn nun ergriffen hatte, warf er ihn ins Gefängnis und überantwortete ihn vier Wachen von je vier Soldaten, ihn zu bewachen. Denn er gedachte, ihn nach dem Fest vor das Volk zu stellen.
So wurde also Petrus im Gefängnis festgehalten; aber die Gemeinde betete ohne Aufhören für ihn zu Gott.
Und in jener Nacht, bevor Herodes ihn vorführen lassen wollte, schlief Petrus zwischen zwei Soldaten, mit zwei Ketten gefesselt, und die Wachen vor der Tür bewachten das Gefängnis.
Und siehe, der Engel des Herrn kam herein und Licht leuchtete auf in dem Raum; und er stieß Petrus in die Seite und weckte ihn und sprach:  Steh schnell auf!  Und die Ketten fielen ihm von seinen Händen. Und der Engel sprach zu ihm: Gürte dich und zieh deine Schuhe an! Und er tat es. Und er sprach zu ihm: Wirf deinen Mantel um und folge mir!
Und er ging hinaus und folgte ihm und wusste nicht, dass ihm das wirklich gerade durch den Engel geschieht, sondern er meinte, eine Erscheinung zu sehen. Sie gingen aber durch die erste und zweite Wache und kamen zu dem eisernen Tor, das zur Stadt führt; das tat sich ihnen von selber auf. Und sie traten hinaus und gingen eine Straße weit, dann verließ ihn der Engel.
Und als Petrus zu sich gekommen war, sprach er: Nun weiß ich wahrhaftig, dass der Herr seinen Engel gesandt und mich aus der Hand des Herodes errettet hat und von allem, was das jüdische Volk erwartete.“ (Apostelgeschichte 12, 1-11)

Petrus ist in Gefahr. Lebensgefahr. König Herodes hat ihn ins Gefängnis geworfen. Herodes will hart durchgreifen gegen die Christen. Wir schreiben das Jahr 44 nach Christus. Im Volk kam das gut an. Seine Umfragewerte steigen sofort. Herodes zeigt Stärke und Wehrhaftigkeit. Das kommt gut an. Mitglieder der Jerusalemer Gemeinde werden verhaftet, gefoltert, misshandelt. Sie sollen ihrem Glauben abschwören. Jakobus, einen ihrer Köpfe, einen ihrer Leiter, lässt er hinrichten. Jetzt ist Petrus dran.

Am Passahfest aber kann er niemanden hinrichten. Passah ist das Fest der Freiheit, da kann man keinen töten. Das war auch bei Jesus so. Er wurde schnell noch vor dem Passahfest gekreuzigt. Herodes plant einen Schauprozess und die Hinrichtung von Petrus sofort nach dem Fest.

Petrus war ein besonderer Gefangener. Herodes tat alles, damit er nicht entkommen oder befreit werden kann. Vier Gruppen je vier Soldaten bewachen ihn. Zwei an der Tür, zwei schlafen oder wachen direkt neben ihm. Und Petrus ist angekettet. Was für ein Aufwand! Diesen Gefangenen kann niemand befreien! Das wollte Herodes sicherstellen. Das Volk wird jubeln, wenn auch Petrus hingerichtet wird.

„Aber die Gemeinde betete ohne Aufhören für ihn!“ schreibt Lukas. Petrus kann nichts mehr tun, aber die Gemeinde betet ohne Aufhören. Sie treffen sich im Haus der Maria. Den ganzen Tag ist irgendjemand da, und betet. Manchmal nur zwei, manchmal sind sie viele. Und sie beten. Andere beten zuhause oder bei der Arbeit. Die ganze Gemeinde betet ohne Aufhören. Obwohl sie unter Schock stehen! Jakobus ist hingerichtet worden. Einer ihrer drei Leiter. Da haben sie auch gebetet! Sie haben nicht weniger gebetet für Jakobus. Und doch ist er getötet worden.

Nach dieser Erfahrung könnte man denken, dass sie resignieren, dass sie sagen: „Es ist zwecklos. Beten hilft nicht. Gott kann oder will uns nicht vor Herodes retten.“ Aber sie geben nicht auf, beten weiter, werfen die Flinte nicht ins Korn. Sofort sind neue Gebetstreffen  organisiert  und sie beten, dass Petrus frei kommt.

Die Aufforderung, beharrlich zu beten, findet sich öfter in der Bibel: Paulus sagt: „Betet ohne Unterlass.“  (1. Thess. 5, 17) “Betet zu jeder Zeit“ schreibt er an anderer Stelle  (Eph. 6,18). Jesaja  schreibt von Wächtern,  die auf den Mauern Jerusalems stehen  und bei Tag und Nacht nicht schweigen.  Sie sollen Gott pausenlos an seine Zusagen erinnern. Ihre Gebete schützen die Stadt!  Mehr als ihre Waffen. (Jesaja 62,6-7) „Ihr habt nichts, weil ihr nicht bittet!“ schreibt Jakobus. (Jak 4,2)

Einmal, als Israel gegen die Amalekiter kämpfen muss, das Heer der Amalekiter ist ihnen weit überlegen, da betet Mose die ganze Zeit mit erhobenen Händen. Er betet so lange, dass er die Hände nicht mehr hoch halten kann. Andere müssen ihm helfen, zum Gebet die Hände hoch zu halten. (2. Mose 17, 8-13) Sein Gebet bringt den Sieg. Mehr als ihre Waffen.

Jesus erzählt von einer bittenden Witwe, die nicht locker lässt und einem ungerechten Richter ständig in den Ohren liegt, bis sie bekommt, was ihr zusteht. Um wieviel mehr, wie viel eher wird euer Vater im Himmel euch geben, wenn ihr ihn bittet! (vgl. Lukas 18, 1-8) Und Jesus schließt dieses  Gleichnis  von der bittenden Witwe, in dem er zu treuem anhaltendem Gebet auffordert, mit der Frage:  „Wird der Menschensohn aber, wenn er kommt, auf der Erde noch Menschen finden, die in Treue auf ihn warten?“ (Vers 8)

Der Text bei Jesaja von den Wächtern auf den Mauern, die Tag und Nacht beten, dieser Text hat überall in der Welt Christen inspiriert, Gebetshäuser zu gründen. Ihr Ziel ist, dass jeden Tag 24 Stunden Menschen in diesen Häusern beten. Einige von uns  waren ja vor gut zwei Jahren auf einer Konferenz des  Gebetshauses in  Augsburg, auch in anderen Städten haben sich Gebetshäuser gebildet.

In Augsburg und anderen Orten geben Menschen ihre Berufe auf, suchen sich einen Unterstützerkreis und bringen sich mit aller ihrer Zeit in einem solchen Gebetshaus ein. Diese Menschen glauben, dass Gott Gebete erhört.  Sie glauben, dass es nichts Wichtigeres im Reich Gottes gibt, als zu Beten. Beten ist nicht das Einzige, aber es ist immer das Erste.            Damit fängt alles an.  Daran, dass Gott hilft, segnet und befreit, daran liegt alles. Auch der Lobpreis, Gott die Ehre zu geben, sich an ihm zu freuen, und auch stille Gebetszeiten gehören zu diesen Häusern.

Wir müssen ja nicht unsere Jobs aufgeben, aber: beten wir noch? Anhaltend? Findet der Menschensohn uns einmal treu im Gebet, wenn er wiederkommt? Erwarten wir noch etwas, wenn wir beten? Oder hatten wir vielleicht auch unsere „Jakobus-Erfahrung“: Gott hat nicht geholfen. Also lassen wir das Beten!? Trauen wir uns noch, für menschlich Unmögliches zu beten? Glauben wir noch, dass Gottes Arm nie zu kurz ist und seine Ohren nie verschlossen? (vgl. Jesaja 59, 1-2)

Alle Gebete werden von Gott  gehört, aber nicht alle werden  erhört, nicht so, wie wir uns das dachten. Verstehen können wir das nicht. Heiner Christian Rust berichtet von einer Situation in seiner Gemeinde in Braunschweig. Ein Kind ist krank, viele beten. Zu gleicher Zeit ist ein alter Mann krank, hoch betagt. Das Kind stirbt, der alte Mann kommt wieder zu Kräften und erlebt eine wunderbare Heilung. Wer kann das verstehen?

Jakobus wird hingerichtet. Petrus wird befreit. Einige Jahre später wird aber er auch dann in Rom hingerichtet werden. Beide übrigens hatten einen Bruder. Johannes weint um seinen Bruder Jakobus. Andreas trauert mit ihm, aber wie sehr freut er sich und dankt Gott, als er seinen Bruder Petrus wieder in den Arm nehmen kann. „Gott tut Wunder! Gott tut heute noch Wunder!“ hat er vielleicht gesungen.

Gott handelt oft anders, als wir es erwartet oder uns gewünscht haben. Aber eine Gemeinde, die betet, wird Wunder erleben! Christen, die beten, werden Wunder erleben! Menschen werden befreit werden! Sie werden Gottes Engel erleben!

Wie oft haben wir das schon erlebt, dass Menschen aus der Gemeinde gedankt haben, sie hätten sich so getragen gefühlt, sie hätten gemerkt, dass für sie gebetet wurde. Auch das haben wir schon gehört, dass Ärzte gesagt haben, es sei ein Wunder, wie jemand wieder gesund geworden ist.

Wunder sind für Gott kein Problem! Die Christen damals in Jerusalem haben nicht aufgehört zu beten. Darum wurde Petrus befreit. In einer Predigt im Internet las ich folgende Ergänzung: (Michael Schaan, Oeschelbronn, 16.9.2018)

„Das Gebet ist eine gewaltige Macht. Schon das Gebet eines einzelnen kann viel bewirken, aber das gemeinsame Gebet ist noch viel wirkungsvoller. (…) Gott, unser Vater, lässt sich durch unsere Gebete beeinflussen! Er hat es gern, wenn wir ihn bitten. Stellen Sie sich mal vor: Ein Kind kommt zum Vater oder zur Mutter und bittet um etwas. Normalerweise freuen sich die Eltern, wenn ein Kinder vertrauensvoll mit einer Bitte kommt. Aber mal angenommen, die Tür geht auf, und drei Kinder kommen gleichzeitig reingerannt und wollen etwas von den Eltern, dann sind die Chancen doch größer. Gebetsgemeinschaft heißt, dass Kinder Gottes die Tür zum Vater aufmachen und gemeinsam auf ihn einstürmen.“

Gebetsgemeinschaft heißt, dass Kinder Gottes die Tür zum Vater aufmachen und gemeinsam auf ihn einstürmen. Kennen wir das noch? Pflegen wir eine solche Gebetsgemeinschaft? Als ich meine erste Pastorenstelle vor gut 30 Jahren in Stuttgart antrat, kamen am ein paar Jugendliche zu mir und meiner Frau und sagten: Dienstag früh kommen wir zu euch zum Beten. Das ist schon immer so. Dienstag früh wird bei euch gebetet. Über die ganzen Jahre hatten wir dieses Gebetsfrühstück dienstags ab 6.30 Uhr. Kennt ihr einen Kreis, in dem anhaltend gebetet wird, in den man andere einladen könnte? Gibt es keine Not in der Welt, für die das Beten sich lohnen täte? Oder gibt es keinen Glauben, würde der Menschensohn, wenn er kommt, keinen finden, der treu betend auf ihn wartet?

In verschiedenen Kirchen in Kassel finden aktuell regelmäßige Friedensgebete statt. Stefan Richter aus der Freien Evangelischen Gemeinde Wilhelmshöhe erzählte, dass sie gerade Predigtreihen über die Grundaufträge der Gemeinde machen. Er hat es vor Jahren schon in den Statuten der Gemeinde vorgefunden, dass die erste Aufgabe der Gemeinde das Beten sei. So haben sie zuerst eine Predigtreihe über das Gebet gemacht.

Für die Christen damals war klar: Mit Beten fängt alles an. Für viele heute ist Beten eher die ultima ratio, der letzte Versuch. Wenn wir alles ausprobiert haben, wenn nichts mehr hilft,  dann erst fangen wir manchmal zu beten an. Als letzten Strohhalm.

Petrus also ist im Gefängnis. Die Gemeinde betet ohne Aufhören. Als er befreit wird, schläft er fest. Das ist überraschend. Er hat doch den Tod vor Augen. Warum kann er schlafen? Warum wälzt er sich nicht von einer Seite auf die andere? Offensichtlich fühlt er sich geborgen. Er weiß sich in Gottes Hand. Vielleicht weiß er sich umbetet. Er muss nicht verzweifeln.
Was auf ihn zukommt, kann ihm den Schlaf nicht rauben. Kaum zu glauben. „Der Herr ist mit uns, alle Tage, bis an der Welt Ende!“ Darauf vertraut er.

Der Engel muss ihm in die Rippen stoßen, damit er aufwacht. Dann gibt er ihm Anweisungen. Ganz schnell müssen sie handeln. Jetzt oder nie.  Der Engel weiß, was er tut. „Steh schnell auf!“ Und die Ketten fielen ihm von seinen Händen. „Gürte dich und zieh deine Schuhe an!“ Und er tat es. „Wirf deinen Mantel um und folge mir!“ Und er folgte ihm. Eile ist geboten in dieser nächtlichen Befreiungsaktion. Petrus hält das alles für einen Traum. Er hat noch gar nicht realisiert, dass er gerade wirklich befreit wird. Er erkennt keinen Engel in diesem Mann. Erst als er allein auf der Straße steht wird es ihm bewusst: Gott hat einen Engel geschickt, der hat mich befreit.

Hast du auch schon einmal eine aussichtslose Situation erlebt? Gott hört, wenn wir beten. Gott vergisst uns nicht. Sein Arm ist nie zu kurz. Wie er Petrus befreit hat, kann er auch uns befreien. Gottes Zeitplan mag ein anderer sein als unserer. Doch er kommt nicht zu spät! Bei Petrus kam die Befreiung in der Nacht vor der Hinrichtung.

Interessant noch, wie es weitergeht. Petrus geht zum Haus der Maria. Ihr großes Haus war ein Treffpunkt der Gemeinde.  Dort haben sie oft Gottesdienst gefeiert. Dort sitzen sie sicher gerade und beten.

„Als er aber an das äußere Tor klopfte, kam eine Magd mit Namen Rhode, um zu horchen. Und als sie die Stimme des Petrus erkannte, tat sie vor Freude das Tor nicht auf, lief hinein und verkündete, Petrus stünde vor dem Tor. Sie aber sprachen zu ihr: Du bist von Sinnen. Doch sie bestand darauf, es wäre so. Da sprachen sie: Es ist sein Engel.“

Da kommen die Christen Tag für Tag zusammen und beten für die Befreiung von Petrus. Dann klopft es und die Gebetserhörung steht vor der Tür. Aber sie glauben es nicht!

„Petrus aber klopfte weiter an. Als sie nun aufmachten, sahen sie ihn und entsetzten sich. Er aber winkte ihnen mit der Hand, dass sie schweigen sollten, und erzählte ihnen, wie ihn der Herr aus dem Gefängnis geführt hatte…“

Das ist eine starke Ermutigung finde ich. Gott erhört Gebete auch dann, wenn die Betenden nicht 100%ig daran glauben! Sie haben keinen starken Glauben aber sie glauben an einen starken Gott.

Lasst uns neu anfangen, zu beten. Lasst uns nicht aufhören, zu beten. Lasst uns anhaltend beten. Dazu gibt es auch Hilfen: Ein fester Gebetstermin in der Gemeinde. Wir treffen uns ja mit einigen jeden Dienstag um 9.00 Uhr per Zoom zum Beten. Andere können sich zu anderen Zeiten verabreden. Wer mag, kann sich sein Handy stellen und sich ein oder zwei Mal am Tag erinnern lassen: Jetzt nehme ich mir zwei Minuten und bete.

Man kann sich für das regelmäßige persönliche Gebet für sechs Tage die Woche, Montag bis Samstag, jeweils drei Gebetsanliegen aufschreiben. Montag bete ich für die Gemeindeleitung, für eine neue Leiterin in der Jugendarbeit und die Senioren. Dienstag für das Weltgeschehen und meine Verwandten und Freunde. Usw. Vielleicht beginnt jemand ein Gebetsfrühstück für Männer. Aus unserer Gemeinde haben sich einmal ein paar Männer verabredet, eine Zeit lang zu fasten und zu beten. Ideen gibt es genug.

Menschen in Not gibt es genug. Christen, die ohne Aufhören beten, kann es nie genug geben. Und dann werden sie sehen, dass Gott heute noch Wunder tut.

Amen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ich habe für meine Predigt einiges übernommen aus einer Predigt von Michael Schaan, Eki-Oeschelbronn.de vom 16.09.2018

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