Psalm 24

 Psalm 24

1 Ein Psalm Davids. Die Erde ist des HERRN und was darinnen ist, der Erdkreis und die darauf wohnen. 2 Denn er hat ihn über den Meeren gegründet und über den Wassern bereitet.
3 Wer darf auf des HERRN Berg gehen, und wer darf stehen an seiner heiligen Stätte? 4 Wer unschuldige Hände hat und reinen Herzens ist, wer nicht bedacht ist auf Lüge und nicht schwört zum Trug: 5 der wird den Segen vom HERRN empfangen und Gerechtigkeit von dem Gott seines Heiles. 6 Das ist das Geschlecht, das nach ihm fragt, das da sucht dein Antlitz, Gott Jakobs.
7 Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch, dass der König der Ehre einziehe! 8 Wer ist der König der Ehre? Es ist der HERR, stark und mächtig, der HERR, mächtig im Streit. 9 Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch, dass der König der Ehre einziehe! 10 Wer ist der König der Ehre? Es ist der HERR Zebaoth; er ist der König der Ehre
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Ihr Lieben,

heute geht es um  unsere Willkommenskultur. Das Wort gibt es schon lange. Die Sache stand z.B. 2015 auf dem Spiel. Millionen von Flüchtlingen klopften an Europas Türen. Wollen wir die reinlassen? Und wenn ja: Wie heißen wir sie willkommen? Wie sollen sie merken, dass sie willkommen sind? Was wollen wir tun, um sie zu integrieren?

„Wir schaffen das!“ hat Angela Merkel gesagt. Vor zehn Tagen wurde sie als Kanzlerin verabschiedet. Menschenrechtsorganisationen forderten eine Willkommenskultur: Schutzbedürftige, Menschen, die um ihr Leben bangen, sie sollen spüren, dass sie bei uns willkommen sind. Auch in Unternehmen oder bei Parteien gibt es eine Willkommendkultur für neue Mitarbeiter oder Mitglieder. Sie sollen erleben, dass sie gesehen werden, dass sie wichtig sind und dazugehören.

In Psalm 24 geht es um die Willkommenskultur Gott gegenüber und Menschen gegenüber. Gott will in seinen Tempel einziehen. Der König der Ehre. Der König der Herrlichkeit. Er ist mächtig. Er ist groß. Er will in sein Eigentum einziehen. Hier will er wohnen. Hier will er zuhause sein. Hier will er der Herr sein. Der Tempel soll der Ort sein, wo er als König, als Herrscher, als höchste Herrscher zuhause ist.

Der Tempel soll kein Rückzugsort für Gott sein. Dann hätte er auch im Himmel bleiben können. Der Tempel soll ein Begegnungsort für Gott sein. Der heilige Gott kommt zu den Menschen. Er will an einem Ort wohnen, wo man ihn finden kann, wo er Menschen begegnen kann. Der Tempel ist ein Brückenkopf Gottes in diese Welt hinein.

Psalm 24 geht es um die Willkommenskultur für Gott. „Macht die Tore weit und die Türen in der Welt hoch!“ Die Tempeltore bestanden aus mehreren Teilen. In der Mitte eine Falltür oder eine Hochziehtür, wie wir uns das vielleicht bei Burgen vorstellen können. Die Falltür ist schnell geschlossen, dann muss sie wieder hochgezogen werden. In der Mitte ein Falltor, links und rechts an der Seite jeweils eine untere und eine obere Flügeltür. Ich stelle mir das vor wie ein großes Dielen- oder Scheunentor auf einem Bauernhof. In der Mitte zwei Türen. Geht der Bauer rein, macht er eine Tür auf. Lädt er Gäste ein, macht er zwei Türen auf. Wenn der vollgeladene Erntewagen kommt, dann muss das ganze Tor geöffnet werden. Beide Seitenflügel und beide oberen Flügel.

„Macht die Tore weit und die Türen in der Welt hoch!“ Gott soll sehen, dass er willkommen ist. Gott soll sich nicht hineinquetschen in seinen Tempel. Wir wollen uns vorbereiten, dass er bei uns einkehren kann.

Wer eine Tür nur einen Spalt öffnet, zeigt dem, der vor seiner Tür steht seine Skepsis. Der ist nicht willkommen. Da kommt einer, der stört. Der kostet mich Zeit, die ich nicht habe. Den habe ich nicht eingeplant. Der bringt meine Abläufe durcheinander. Den lasse ich nicht rein, Vielleicht will er mit Böses tun! Der will mir etwas wegnehmen!

Oder, das kann auch sein, wer seine Tür nur einen Spalt öffnet, will sich selber nicht ganz zeigen. Die Wohnung ist nicht aufgeräumt. Vielleicht ist er noch gar nicht angezogen und steht verschlafen im Nachthemd hinter der Tür. „Du kommst mir sehr ungelegen!“ Das symbolisiert eine nur einen Spalt geöffnete Tür.

Israel soll Gott genau das andere Signal geben: Du bist willkommen, wir freuen uns auf dich, und wir sind vorbereitet. Psalm 24 will ihre Vorfreude verstärken, damit sie sich äußerlich und innerlich darauf einstellen:  Gott will in sein Eigentum einziehen.

In Psalm 24 geht es um unsere Willkommenskultur. Gott aber auch Menschen wollen hinein in den Tempel. Gottes Gefolge. Menschen, die Gott begegnen wollen. Aber wer darf hinein in den Tempel? Gibt es da eine Art Codewort? Irgendwelche Bedingungen? Ja, die gibt es.  Zwei werden genannt. Es dürfen Menschen kommen, die Gottes Angesicht suchen und die Menschen gegenüber ein reines Herz haben. Menschen, die ihr Heil bei Gott suchen. Menschen, die nach Gott fragen, sich nach ihm sehnen, sie dürfen den Tempel betreten.

Und die ein reines Herz Menschen gegenüber haben. Das ist die zweite Bedingung. Wer unschuldige Hände hat. Wer seinen Nächsten nicht betrügt oder belügt. Beides gehört zusammen: Gottes Angesicht suchen und sich gerecht und treu Menschen gegenüber zu verhalten. Solche Menschen SIND ein Tempel könnte man sagen. Die sich ohne Vorbehalte für Gott öffnen und weit offen sind für andere Menschen. Deren Kreise noch nicht geschlossen sind. Solche Menschen sind ein Tempel, die Platz haben in ihrem Leben für Gott und für andere Menschen. Sie haben ihre Tore geöffnet.

„Wer ist denn dieser König, der da kommt?“ Das könnte ein Kind in Jerusalem gefragt haben.  Die Eltern putzen sich selber raus, das Tor wird weit geöffnet und geschmückt. Ein Kind könnte fragen: „Wer ist denn dieser König?“ „Er hat die ganze Welt geschaffen“, könnten die Eltern antworten. Den Erdkreis sagen sie. Die Erde wurde sich wie eine begrenzte Fläche vorgestellt. „Er ist mächtig und stark“ sagen die Eltern dann. „Er ist mächtig im Streit. Er hat alles Böse, alle unsere Feinde besiegt. Er ist der König der Herrlichkeit. Keiner strahlt wie er. Niemand beschenkt Menschen so wie dieser König.

Psalm 24 beginnt mit der Erinnerung, dass Gott die Welt geschaffen hat:  „Die Erde ist des HERRN und was darinnen ist, der Erdkreis und die darauf wohnen. 2 Denn er hat ihn über den Meeren gegründet und über den Wassern bereitet.“ Man stellte sich die Erde überall umgeben von bedrohlichen Wassern vor. Unter der Erde und über der Erde Wasser. Regen ist Wasser, das von oben durch den Himmel hindurch kommt. Unter der Erde sind die Urfluten. Da ist Chaos.

Gott hat mit seiner Schöpfung aller Kreatur Lebensraum geschaffen. Er spannte den Himmel oben auf. Die Wasser oben können uns nichts mehr tun. Er gründete die Erde auf Säulen mitten in den Fluten. Sie steht fest und sie wackelt nicht. Das bedrohliche Meer kann den Menschen nichts antun.

Schöpfung heißt: Gott schafft uns einen sicheren Lebensraum. Die Schöpfung ist das erste Zeichen seiner Gnade und Treue. Die Schöpfung zeigt uns, dass Gott von Beginn an will, dass Menschen und alle Kreaturen gut leben können, dass sie geschützt leben, dass Gott das Böse, alles Lebensbedrohliche von den Menschen weghalten will.

„Der König, der da kommt, er ist der Schöpfer!“ könnten Eltern ihrem Kind antworten, das gefragt hat „Wer kommt denn da?“ Er ist es, der das Leben will, der gutes Leben will für alle. Er ist mächtig und stark, mächtig im Streit. Er streitet für uns. Für seine Ziele. Für Gerechtigkeit.  Er ist ein gerechter Herrscher, der für das Wohl seiner Menschen kämpft und der die durchsetzt. „Er heißt Wunder-Rat, Gott-Held, Ewig-Vater, Friede-Fürst!“ (Jes 9,5) Er ist der „König der himmlischen Heerscharen“, König Zebaoth heißt das auf Hebräisch.

Der Musiker und Theologe Georg Weissel hat 1623 das berühmte Adventslied geschrieben „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit!“ Er schreibt über den, der kommen soll in seiner zweiten Strophe:

„Er ist gerecht, ein Helfer wert; / Sanftmütigkeit ist sein Gefährt, / sein Königskron ist Heiligkeit, / sein Zepter ist Barmherzigkeit. / All unsre Not zum End er bringt, / derhalben jauchzt, mit Freuden singt: / Gelobet sei mein Gott, / mein Heiland groß von Tat.“

Christen erkennen Christus in dem König, der kommen soll, der in Psalm 24 und in den Prophetenbüchern angekündigt wird. Wie ein König ist Jesus auf einem Esel in Jerusalem eingezogen. Er ist das Wort Gottes, das Herz Gottes, das von Anfang an bei Gott war und Mensch geworden ist (Joh 1,1-2+14). Er ist das Ebenbild des Wesens Gottes. In ihm leuchtet Gottes Herrlichkeit auf,  lesen wir Anfang des Hebräerbriefes (Hebr 1,3). Er ist der König der Herrlichkeit. In ihm kam Gott in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf (Joh 1,11). Das gab es auch.  Das gibt es immer noch: Er kommt und viele Türen sind nur einen Spalt auf.

So steht es auch für Georg Weissel fest, dass es Christus ist, der kommt und für den wir unsere Türen öffnen. Georg Weissel hat aufgeschrieben, wie sein Lied „Macht hoch die Tür“ entstanden ist:

„Neulich, als der starke Nordoststurm von der nahen Samlandküste herüber wehte und viel Schnee mit sich brachte, hatte ich in der Nähe des Domes zu tun. Die Schneeflocken klatschten den Menschen auf der Straße gegen das Gesicht, als wollten sie ihnen die Augen zukleben. Mit mir strebten deshalb noch mehr Leute dem Dom zu, um Schutz zu suchen.

Der freundliche und humorvolle Küster öffnete uns die Tür mit einer tiefen Verbeugung und sagte: „Willkommen im Hause des Herrn! Hier ist jeder in gleicher Weise willkommen, ob Patrizier oder Tagelöhner! Sollen wir nicht hinausgehen auf die Straßen, an die Zäune und alle hereinholen, die kommen wollen? Das Tor des Königs aller Könige steht jedem offen.“

Nachdem ich den Schnee von meinem Gewand abgeschüttelt hatte, klopfte ich dem Küster auf die Schulter und sagte: „Er hat mir eben eine ausgezeichnete Predigt gehalten!“ Wir blieben im Vorraum des Domes, bis sich das Unwetter ein wenig legte. In der Zwischenzeit sah ich fortgesetzt zu dem hohen Portal, und da kamen mir die ersten Verse in den Sinn. Zu Hause beendete ich es in kurzer Zeit.“

Kurze Zeit später am 2. Advent 1623 wird das Lied bei einem festlichen Anlass das erste Mal gesungen. In Königsberg im Stadtteil Altroßgarten wir die neue Kirche eingeweiht. Georg Weissel ist ihr erster Prediger. Und an diesem Sonntag wird das Lied das erste Mal gesungen: „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit, es kommt der Herr der Herrlichkeit!“ Beides bringt Georg Weissel zur Sprache. Beides wünscht er dieser neuen Kirche. Um beides betet er:

  1. Hier sollen die Türen für Gott weit offen sein! Hier soll Platz sein für seine Herrschaft.
    Hier soll Gott es nicht eng haben. Es soll nur um ihn gehen.
  2. Hier sollen alle Menschen willkommen sein. Hier soll niemand draußen bleiben müssen.
    Hier soll jeder willkommen sein. Hier sollen Menschen Gott finden und bekommen, was sie zum Leben brauchen. Alles soll darum gehen, dass Gott zu den Menschen kommt.

Solche Gemeinden sind ein Tempel Gottes: Sie haben alle Türen für Gott geöffnet und sie haben alle Türen für Menschen geöffnet. Sie haben eine Willkommenskultur. Menschen merken: Hier, in dieser Gemeinde, treffe ich Menschen, denen bin ich wichtig, die interessieren sich für mich, die sprechen mich an, kommen auf mich zu, laden mich ein.

Man kann keine Gemeinde sein, die offen für Gott ist, wenn man nicht offen für Menschen ist,  denn Gott ist offen für Menschen, das ist sein Herzensanliegen. Und man kann keine offene Gemeinde sein, ohne offene Menschen. Christen, die noch Platz haben für andere Menschen in ihrem Leben. In ihrem Kalender. In ihren Beziehungen, die sie schon haben.

Ob wir eine lebendige Gemeinde sind, eine Gemeinde, wie die Welt sie braucht, zeigt sich an unserer Willkommenskultur. Lasst uns eine „Adventgemeinde“ sein, die immer offen ist für Gott und die immer offen ist für Menschen.

Wir singen „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit“.

 

 

Mit Gewinn habe ich gelesen die Predigt zu Psalm 24 unter www.Stadtmission-Nied.de

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